Kommentar von Österreichs Jahrhundert-Kicker und „Krone“-Experte Herbert Prohaska zum Aus von Julen Lopetegui als Spanien-Trainer. Heute treffen die Spanier in ihrem ersten WM-Spiel auf Portugal.
Für so eine große Fußball-Nation wie Spanien ist das Kasperltheater, das sich da abgespielt hat, peinlich. Wenn du einer Mannschaft zwei Tage vor der WM den Trainer wegnimmst, kommt natürlich Unruhe in sie. Noch dazu, wenn das einer ist, der bei den Spielern beliebt und mit dem man in 20 Spielen ungeschlagen ist. Das ist ein Wahnsinn.
Freilich trifft das auch auf die Aktion von Lopetegui zu. Der hätte den Verbandspräsidenten natürlich längst informieren müssen, dass er mit Real Madrid verhandelt, hätte zu Rubiales sagen müssen: „Hör mal. Das Angebot von Real kann ich nicht ablehnen. Aber natürlich will ich vorher mit Spanien Weltmeister werden.“ Das wäre auch den Spielern egal gewesen.
Doch die Reaktion von Rubiales war völlig überzogen. Er hat das persönlich genommen, was er nie hätte tun dürfen. Und mit Lopeteguis Entlassung hat er nur dem Team geschadet. Ein Schuss ins eigene Knie.
Auf Hierro kommt nun eine enorme Aufgabe zu. Die Spieler sind Lopetegui gewohnt, das ist jetzt auch eine andere Atmosphäre. Doch ich weiß auch, dass man den Einfluss des Trainers nicht überschätzen darf. Letzten Endes liegt es an den Spielern, sich zu motivieren. Und wer, wenn nicht Routiniers wie Ramos und Iniesta, können diese Schwierigkeiten meistern?
Der Auftakt gegen Portugal wird ein Schlüsselspiel. Wenn es da mit einem Sieg klappt, kann das Spanien beflügeln. Verliert man nach der tollen Serie unter Lopetegui gleich das erste Match unter Hierro, wird es eine sehr schwierige WM ...
Herbert Prohaska
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