Protz im Senegal

Präsident baut Denkmal, während Menschen hungern

Ausland
20.11.2009 10:18
Protz und Prestige: Während die Bevölkerung von Armut gebeutelt ist, lässt der senegalesische Präsident Abdoulaye Wade in der Hauptstadt Dakar ein riesiges Denkmal errichten. "Denkmal der afrikanischen Wiedergeburt" heißt das Monument, das drei Meter größer wird als die Freiheitsstatue in New York. Der 83-jährige Staatschef möchte sich mit dem Prestigebau einen Platz in der Geschichte sichern.

"Ein großes Denkmal für ein großes Ego": So bewertet die "Neue Zürcher Zeitung" die Bauwut von Wade. Der Präsident wird als "Patissier" bezeichnet, weil er wie ein Konditor mit dem Spritzbeutel nutzlose Ausschmückungen über Dakar verteile.

Das Monument steht auf einem von zwei nebeneinanderliegenden Hügeln, die früher Vulkane waren. Das Denkmal soll einen Mann zeigen, der ein Kind auf dem Arm hält, das auf den Atlantik weist. Er führt eine Frau, die ihm bedingungslos folgt. "Die Idee ist, dass eine afrikanische Familie dem Vulkan entsteigt und triumphierend nach Amerika blickt, wo sie versklavt worden war", erklärt der Bauingenieur Atepa Goudiaby.

"Kulturelles Verbrechen"
Dass in einem Land, das von Armut geplagt ist, ein derart großes Denkmal errichtet wird, sorgt für Kopfschütteln. Viele Senegalesen kritisieren die Baukosten von umgerechnet rund 17 Millionen Euro und mahnen, dass man auf solch extravagante Ausgaben verzichten müsse. Ein bekannter Bildhauer aus dem afrikanischen Land spricht von "Verschandelung eines wunderbaren Ortes" und einem "kulturellen Verbrechen".

Anfang nächsten Jahres soll das 50 Meter hohe Monument, das derzeit noch eingerüstet ist, eröffnet werden.

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