Do, 18. Oktober 2018

„Parts Of Life“

21.05.2018 07:00

Paul Kalkbrenner: Erfolgs-Techno für die Massen

Paul Kalkbrenner hat es längst geschafft: Als gefragter Techno-Musiker jettet der 40-jährige Deutsche um die Welt, spielt auf den großen Festivals und in den namhaften Clubs. Wie er es soweit gebracht hat, dokumentiert Kalkbrenner jetzt indirekt auf seinem neuen Album. Auf „Parts Of Life“ versammelt er in 15 Stücken Bauteile seines Lebens.

Verweise darauf sind auch auf dem von seinem Onkel gemalten Stillleben zu sehen, das als Motiv das Plattencover ziert. Da liegt etwa eine Trompete, wie sie Kalkbrenner als Kind spielte. Auf dem Album tauchen Bläseranklänge in einigen Tracks auf. Die Eltern - beide Journalisten - brachten den in Leipzig geborenen Kalkbrenner und seinen Bruder Fritz früh nach Ost-Berlin. Der Mauerfall eröffnete ihm in der Jugend einen großen Spielplatz. Im Alter von 15 Jahren legt er im Jugendclub noch vor den Schulkameraden auf, dann gemeinsam mit Kumpel DJ Sascha Funke. „Wenn die Mauer nicht gefallen wäre, wäre das mit dem Techno nichts geworden“, sagt Kalkbrenner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Familienbande
Seine Verbundenheit zur Stadt und Szene wird beim Video zur Single „Part Eight“ deutlich: Kalkbrenner steht allein mit seinem Arbeitspult auf dem Dach eines Kraftwerks in Berlin - Zuhause des legendären Techno-Clubs Tresor. Inzwischen ist Kalkbrenner mit einer DJane aus Kanada verheiratet und Vater. Die Familie helfe, um die Bodenhaftung zu behalten, sagt er. Auch sein Bruder arbeitet als Produzent und Musiker. Mit ihrer gemeinsamen Single „Sky And Sand“ zum Film „Berlin Calling“ feierten sie große Erfolge.

Überhaupt „Berlin Calling“: Das Porträt des DJ Ickarus, der feiert, bis der Arzt kommt, hat der Karriere Kalkbrenners den Restschwung für den Aufstieg in die internationalen Techno-Höhen gegeben und ihn über die Szene hinaus bekannt gemacht. Bei den Filmfestspielen in Locarno vor zehn Jahren hatte das Werk von Regisseur Hannes Stöhr Weltpremiere. Seither ging es immer weiter hinauf für Kalkbrenner, der gar zur offiziellen Feier des 25. Jahrestags des Mauerfalls am Brandenburger Tor spielte.

Kommen und gehen
„Auch wenn mir ‘Calling‘ einen Boost gegeben hat, habe ich das Gefühl, alles immer Schritt für Schritt geschafft zu haben“, meint Kalkbrenner. „Ich habe viele andere kommen und gehen sehen: Schnell hoch heißt oft auch schnell wieder runter.“ Im Gespräch erinnert er sich daran, wie er früher quasi sein Studio auseinanderbaute, in den Kombi eines Kumpels lud, um es auf einem winzigen Festival in Brandenburg zum Spielen wieder aufzubauen. Heute könne er sich aussuchen, welche Shows er spiele. Ein Privileg, sagt er. „Man kann reich an allen Talenten sein, wenn man ganz ohne Glück ist, bringt das alles nichts.“

Er sei kein DJ, betont er im Gespräch. Er lege ja nicht auf, sondern mische live. „Auf der Bühne bin ich wie ein Kampfpilot, aber danach merkt man schon das Alter“, so Kalkbrenner. Wenn er am Pult steht, an Knöpfen und Reglern dreht und schraubt, dann sieht es vielleicht etwas mehr nach Arbeit aus als bei anderen. Und der so entstehende melodiöse Techno entzückt sehr viele Menschen.

Erfolg mit Monotonie
Manche mögen Kalkbrenners Stil monoton nennen. Langweilig vielleicht. An seinem Erfolg hat das bisher nichts geändert. Auch die Kritik wegen eines Ausflugs zu Bundeswehrtruppen nach Afghanistan hatte ihm nichts wirklich an. Für die Fans bleiben die Tracks entspannt bis episch und sie feiern, wenn er mal wieder ein typisches „Techno-Brett“ zum Stampfen liefert. Und solche sind neben massentauglichen Stücken auch auf „Parts Of Life“ zu finden.

 krone.at
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