Teure Vereinigung
Westen pumpte bislang 1,3 Bio. Euro in die Ex-DDR
Der Studie zufolge sind über den gesamten Untersuchungszeitraum hinweg zwischen 1991 und 2005 rund 67 Prozent der nach Osten transferierten Gelder in Sozialleistungen geflossen, nur knapp über zehn Prozent in wachstumsfördernde Maßnahmen. "In den vergangenen Jahren ist die Höhe der Sozialtransfers im Osten eher noch gestiegen", sagt Joachim Ragnitz, einer der Autoren der Studie. Die IWH-Untersuchung war laut Zeitungsbericht ursprünglich Mitte 2006 vom Finanzministerium in Auftrag gegeben worden, wurde aber nicht veröffentlicht. Erst jetzt, kurz vor dem 20. Jahrestag des Mauerfalls am Montag, wurde die Studie bekannt.
Wertschöpfung von "Ostlern" im Westen bei 70 Milliarden Euro
Die Wissenschaftler warnten aber davor, die Zahlen der Studie als "Kosten der Einheit" aufzurechnen. "Im Gegensatz zu vielen anderen osteuropäischen Staaten hat der Osten Deutschlands auch Erträge vorzuweisen", sagt IWH-Präsident Ulrich Blum der "Welt am Sonntag". So würden etwa in Westdeutschland arbeitende Ostdeutsche dort eine jährliche Wertschöpfung von 60 bis 70 Milliarden Euro erzielen. Auch seien die Transfers eine Folge des auf regionalem Ausgleich bedachten deutschen Steuersystems, von dem auch schwache Regionen im Westen profitieren würden. Außerdem erzielen laut der Studie nur 47,6 Prozent der in den Osten transferierten Gelder eine Wertschöpfung. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das restliche Geld wieder in den Westen und ins Ausland fließt.
2019 gleiches wirtschaftliches Niveau in Ost und West?
De Maizière sagte der "Bild am Sonntag", er gehe davon aus, dass die ostdeutschen Länder 2019 "annähernd auf dem gleichen wirtschaftlichen Niveau" sein werden wie der Durchschnitt der westdeutschen Länder". Für ein "Unterlegenheitsgefühl" gebe es heute keinen Grund mehr.
Tiefe Kluft am Arbeitsmarkt
Die Gewerkschaften verwiesen allerdings auf die tiefe Kluft auf dem Arbeitsmarkt, die auch 20 Jahre nach dem Mauerfall zwischen Ost und West noch besteht. Nach einer Untersuchung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) ist der Anteil der Jobsuchenden in den neuen Bundesländern immer noch fast doppelt so hoch wie in den alten Ländern, wie die "Berliner Zeitung" in ihrer Wochenendausgabe berichtete. Im Osten fänden viele Menschen nur im Niedriglohnsektor Arbeit und seien zusätzlich zu ihrem Lohn auch noch auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen. "Die Menschen in Ostdeutschland brauchen Perspektiven, die über kurzatmige Ein-Euro-Jobs hinausgehen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Zeitung.
Gewerkschaften fordern Angleichung des Lohnniveaus
IG Metall-Chef Berthold Huber forderte eine Angleichung des Lohnniveaus zwischen Ost und West. "Die neuen Bundesländer haben keine Zukunft als Region, in der die Menschen weniger Rechte und niedrigste Löhne haben", sagte Huber der "Leipziger Volkszeitung" vom Samstag. Hunderttausende seien abgewandert oder pendelten in den Westen, "weil sie trotz vergleichbarer Arbeitsbedingungen und zum Teil längerer Arbeitszeiten weiterhin nur Entgelte erhalten, die je nach Branche bis zu 30 Prozent unter Westgehalt liegen".



Kommentare
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.