Russland droht
Putin wetzt die Messer: "EU soll Gas für Ukraine zahlen"
Der russische Ministerpräsident warnte am Montagabend bei einem Treffen mit dem dänischen Ministerpräsidenten Lars Rasmussen erneut vor möglichen neuen Engpässen bei der Gasversorgung für die europäischen Verbraucher. Es gebe erneut Zahlungsprobleme mit der Ukraine, dem wichtigsten Transitland für die Gaslieferungen in die EU. Russland habe für den Gastransit bereits 2,5 Milliarden Dollar gezahlt, unterstrich Putin. Nun solle die Union zahlen.
337 Millionen Euro sind ausständig
Für Oktober ist die Ukraine umgerechnet 337 Millionen Euro schuldig. Die Zahlungsfrist läuft am 7. November aus. Die verarmte Ex-Sowjetrepublik, die in den letzten Tagen bei EU und WHO um Hilfsmittel gegen die Grippe-Epidemie angesucht hat, hat es aber offenbar nicht so mit Rechnungen. Der ukrainische Konzern Naftogas hat in den vergangenen Monaten oft erst in letzter Minute das Geld an den staatlichen russischen Gasriesen Gazprom überwiesen.
Er habe Schweden als amtierende EU-Ratspräsidentschaft bereits über die Schwierigkeiten der krisengeschüttelten Ex-Sowjetrepublik informiert, sagte Putin der russischen Agentur Interfax. Aus Schweden hieß es, die Warnungen würden ernst genommen. Noch habe die Ukraine aber Zeit, die Oktoberrechnung zu bezahlen.
Europa bezieht ein Viertel des Bedarfs aus Russland
Europa bekommt ein Viertel seines Erdgasbedarfs aus Russland. Vier Fünftel davon fließen über Leitungen in der Ukraine. Der Gasstreit im vergangenen Winter (Ende 2008/Anfang 2009) hatte daher auch zu politischen Streitigkeiten über die wachsende Abhängigkeit von russischem Gas geführt. Derzeit gibt es zwei Projekte, die EU von den Russen unabhängig zu machen: Das unter Federführung der OMV geplante Gaspipeline-Projekt Nabucco hat zum Ziel, die EU an die Gasquellen des kaspischen Raumes anzubinden. Für Österreich wäre das die krisensichere Variante. Das zweite Projekt, die Ostseepipeline, soll eine alternative Versorgungsroute nach Deutschland ohne Transitländer ermöglichen.
Österreich kann drei Monate ohne Gaslieferungen auskommen
Österreich benötigt pro Jahr etwas mehr als acht Milliarden Kubikmeter - im Winter liegt der Verbrauch deutlich höher als im Sommer. Russland liefert laut OMV 54 Prozent des Brennstoffs. Inoffizielle Schätzungen gehen davon aus, dass sich Österreich bei einem Ausbleiben von Putins Lieferungen etwa drei Monate in vollem Umfang über seine Speicher versorgen könnte. Anschließend müsste auf die 14 Prozent Erdgas aus Eigenproduktion zurückgegriffen werden bzw. von Nachbarstaaten "angepumpt" werden.



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