24.03.2018 07:57 |

Naturschutzbund ist 60

„Wir werden weiter kämpfen!“

Der steirische Naturschutzbund feiert 60. Geburtstag. Anlass, den klugen Kopf dahinter, Dr. Johannes Gepp, vor den Vorhang zu holen.

60 Jahre Naturschutzbund, Ihr kurzes Resümee?

Wir sind in kritischem Zustand, was die Umwelt betrifft – da passiert vieles, dessen Tragweiten wir noch gar nicht begriffen haben. Wir tun viel zu wenig für die künftigen Generationen. „Der stumme Frühling“ ist eines der wichtigsten Bücher dazu. Hier verstummen die Vögel – bei uns die Bienen. Ein Mega-Problem.

Wie hat sich die Arbeit als Naturschützer verändert?

Früher wurden wir bei Umweltaktionen sogar mit Autos verfolgt, um uns nieder zu fahren – heute werden wir als Partner doch meistens ernst genommen.

60 Jahre – was ist gut, was ist schlecht?

Gut: Die Hälfte der Steiermark ist unter Schutz gestellt. Schlecht: Dieser Schutz wird, gerade in der Steiermark, immer wieder heftig attackiert.

Der Naturschutz befindet sich vielfach im Spannungsfeld mit der Wirtschaft, Wachtelkönig und Co. werden ja oft verdammt, wenn irgendwo nicht wieder noch mehr Straßen oder Häuser gebaut werden können…

Das große Problem ist: Wirtschaft ist ein System, das auf die heutigen Menschen und aktuelle Gewinne ausgerichtet ist. Die Natur wiederum ist nachhaltig. Und was einmal ausgerottet ist, kann nie mehr neu entstehen. Kann schon sein, dass hin und wieder ein Anwalt jubiliert, weil er gegen den Naturschutz gewonnen hat. Das sind aber kurzfristige Erfolge einzelner – manchmal zum langfristigen Nachteil vieler… Leider hat der Naturschutz nicht so viele Anwälte, die für ihn aufstehen. Wir sind absolut nicht gegen Wirtschaft, ganz im Gegenteil. Aber nur im Miteinander mit der Natur.

Stichwort Wasserkraftwerke…

Unser Bundesland hat schon 1000 davon, darunter große. Das reicht, die Bringschuld ist erledigt. Ist uns klar, dass schon Wasser aus der Obersteiermark herunter gepumpt werden muss, damit der Süden versorgt wird?

Wann wird Naturschutz zum Menschenschutz?

Eben wenn Umwelt erhalten wird. Manche würden sich einen Wachtelkönig in ihre Region wünschen, um die Schönheit zu erhalten.

Apropos Wunsch, haben Sie einen zum Geburtstag?

Dass die Politik Naturschutz in der ganzen Tragweite ernst nimmt. Das ist im Moment nicht der Fall. Aber wir kämpfen weiter.

Christa Bluemel
Christa Bluemel

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