23.12.2017 11:32 |

„Historischer Tag“

Erstmals Flüchtlinge direkt nach Italien geflogen

Aus dem nordafrikanischen Krisenstaat Libyen sind erstmals Flüchtlinge nach Italien geflogen worden. 162 Flüchtlinge aus Äthiopien, Eritrea, Somalia und dem Jemen wurden am Freitag mit einer Militärmaschine nach Italien gebracht. Italiens Innenminister Marco Minniti sprach von einem "historischen Tag": "Erstmals wurde ein humanitärer Korridor von Libyen nach Europa eröffnet. Das ist ein Anfang."

Unter den Flüchtlingen waren viele Familien, Mütter, unbegleitete Kinder und Menschen mit Behinderungen.

Der Sondergesandte des Flüchtlingshilfswerks UNHCR für das zentrale Mittelmeer, Vincent Cochetel, erklärte, viele der Flüchtlinge hätten von großem Leid berichtet.

"Sie wurden von Menschenschmugglern unten menschenunwürdigen Bedingungen gefangen gehalten", so der Sondergesandte.

Italien und die EU werden von Menschenrechtsgruppen dafür kritisiert, die libysche Küstenwache dabei zu unterstützen, die Küste im Kampf gegen Schlepper abzuriegeln. Das Vorgehen habe zu unmenschlicher Behandlung und Folter von Flüchtlingen seitens libyscher Milizionäre geführt, erklären Menschenrechtler.

Libyen ist ein wichtiges Transitland für Flüchtlinge aus afrikanischen Ländern, die über das Mittelmeer in die EU gelangen wollen. Hilfsorganisationen berichten seit Langem über Misshandlungen, Vergewaltigungen und Zwangsarbeit in libyschen Flüchtlingslagern.

Auch heuer mehr als 5000 Menschen auf Flucht gestorben
Weltweit sind bis kurz vor Weihnachten mindestens 5362 Menschen auf der Flucht gestorben, deutlich weniger als zum gleichen Zeitpunkt in den vergangenen zwei Jahren. 2016 registrierte die Internationale Organisation für Migration (IOM) bis zum 22. Dezember 7807 Tote, 2015 waren es 6076 Tote, wie sie am Freitag berichtete. Experten sind überzeugt, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt.

Die meisten Menschen starben auf der Route über das Mittelmeer nach Europa: mindestens 3116 Menschen kamen bis zum 20. Dezember ums Leben. Im vergangenen Jahr waren es 4967 dokumentierte Todesfälle. Insgesamt gelangten 170.249 Migranten auf diesem Weg nach Europa, gut 50 Prozent weniger als im vergangenen Jahr, hieß es von IOM in Genf.

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