Löchrige Abwehr

Schwache ÖFB-Elf unterliegt Kamerun mit 0:2

Fußball
13.08.2009 16:07
So groß der Optimismus vor dem Freundschaftsspiel gegen Kamerun im österreichischen Lager auch gewesen sein mag, nach 90 Minuten und einem 0:2 auf der Anzeigetafel im der Klagenfurter Stadion dominierten am Mittwochabend bei Didi Constantini und Co. die enttäuschten Mienen. Die ÖFB-Elf zeigte sich gegen die Afrikaner nämlich gerade einmal 14 Minuten lang von der besten Seite, doch mit dem vergebenen Elfer von Paul Scharner begannen die Österreicher unsicher zu werden und präsentierten sich vor allem in der Abwehr alles andere als sattelfest. Mallorca-Stürmer Pierre Webo nützte die Defensiv-Schwächen in der österreichischen Hintermannschaft zwei Mal gnadenlos aus und führte sein Team zu einem verdienten 2:0-Erfolg.

Martin Hiden (36) und Ivica Vastic (39) durften zu Beginn noch einmal ins ÖFB-Teamtrikot schlüpfen, die Hymne mitsingen und den Ehrenankick vornehmen, danach wurde es aber ernst. Auch für Jürgen Macho, denn der derzeit vereinslose Tormann erhielt von Constantini bei seiner Arbeitssuche kräftige Unterstützung und durfte in den ersten 45 Minuten das ÖFB-Gehäuse hüten. Beim ersten gefährlichen Schuss der Afrikaner wäre Macho freilich chancenlos gewesen, Superstar Samuel Eto'o verfehlte aus 17 Metern das rechte Kreuzeck hauchdünn (9.).

Schwacher Elfer von Scharner
Den optimalen Start für die nur zu Beginn schnell spielenden und Gefährlichkeit ausstrahlenden Österreicher vermasselte ausgerechnet Kapitän Paul Scharner: Yasin Pehlivan wurde im Strafraum von Jean Makoun am linken Bein getroffen, den darauffolgenden Elfmeter schoss Scharner zu schwach und zentral, sodass Goalie Carlos Kameni wenig Mühe hatte, mit der linken Hand zu parieren (14.).

Salzburg-Legionär Tchoyi bereitet 0:1 vor
Die Strafe für diese Nachlässigkeit folgte exakt eine Viertelstunde später. Salzburg-Legionär Somen Tchoyi setzte sich auf der linken Seite mühelos gegen György Garics durch, bei seiner Hereingabe stellte sich Manuel Ortlechner äußerst ungeschickt an, sodass der hinter ihm lauernde Pierre Webo den Ball problemlos an Macho vorbei über die Linie schieben konnte (28.). Ortlechner hatte von Constantini überraschend den Vorzug gegenüber den Deutschland-Legionären Christian Fuchs und Andreas Ibertsberger erhalten.

Scharner muss noch vor der Pause vom Feld
Damit war die Partie zugunsten der ballsicheren und technisch klar überlegenen Kameruner gekippt. Auch beim 0:2 sah die ÖFB-Defensive nicht gut aus. Nach einem sehenswerten Doppelpass zwischen Eto'o und Achille Emana parierte Macho zwar den Emana-Schuss, den Abstauber verwertete Webo jedoch mühelos (35.). Noch vor dem Wechsel war die Partie für Scharner beendet, Constantini brachte für ihn Leitgeb ins Spiel (40.). Nach einem kurzen Wortwechsel mit Constantini verschwand Scharner, dessen Einsatz wegen einer Verhärtung der Oberschenkelmuskulatur fraglich gewesen war, in der Kabine.

Österreich bleibt auch in Durchgang zwei harmlos
Vor Beginn der zweiten Spielhälfte gab es auf beiden Seiten zahlreiche weitere Wechsel, bei Österreich kamen zunächst Helge Payer, Sebastian Prödl und Christian Fuchs und etwas später Stefan Maierhofer (61.) und Debütant Christopher Trimmel (67.) ins Spiel. Bei Kamerun blieb Eto'o 65 Minuten auf dem Platz und wurde danach von den Fans mit riesigem Applaus verabschiedet. Wirklich gefährlich wurde Österreich in keiner Phase mehr, ein Freistoß und ein Fernschuss von Jakob Jantscher (52., 83.) über das Tor bedeuteten die größte Gefahr für Kameruns Tor.

Pfeifkonzert von den Rängen
Auf der anderen Seite rettete Payer gegen Albert Meyong-Ze (77.) und Daniel Ngom Kome (78.), Emana schoss alleine vor dem ÖFB-Tor über die Latte (84.). Für Österreich war es im dritten Länderspiel gegen Kamerun die erste Niederlage, bis Mittwoch hatte es zwei Remis (1:1 und 0:0) gegeben. Nach dem Schlusspfiff gab es von den Rängen ein Pfeifkonzert.

Unglückliches Händchen von Constantini
Erstmals in seiner Zeit als Teamchef hatte Constantini bei der Mannschaftszusammenstellung kein glückliches Händchen. So erwies sich etwa die Aufstellung von Manuel Ortlechner, der vor dem ersten Gegentor patzte, als schlechter Schachzug. "Man kann immer diskutieren, ob der eine oder der andere hätte spielen sollen. Im Nachhinein ist man immer gescheiter", rechtfertigte sich der Coach, bezeichnete Ortlechner als Spieler mit sehr guter Einstellung und lobte die beiden Goalies Jürgen Macho und Helge Payer sowie den Debütanten Christopher Trimmel.

Selbst Stefan Maierhofer kam bei Constantini gut weg. "Auch wenn es für den einen oder anderen unverständlich ist: Ich habe ihn eingewechselt, weil er ein Wilder ist. So eine Mentalität brauchen wir in der Mannschaft." 

Österreich - Kamerun 0:2 (0:2)
Klagenfurt, Wörtherseestadion, SR Olsiak (SVK), 28.600 Zuschauer 
Tore: Webo (28., 35.) 

Österreich: Macho (46./ Payer) - Ortlechner (46./ Fuchs), Schiemer, Dragovic, Garics (46./ Prödl) - Jantscher, Pehlivan, Scharner (40./ Leitgeb), Hölzl (67./ Trimmel) - Hoffer (61./ Maierhofer), Janko 

Kamerun: Kameni - Bassong (82./ Binya), Bikey (46./ Nguemo), Nkoulou, Geremi - Emana, Mbia, Webo (46./ Enoh), Makoun (46./ Chedjou), Tchoyi (46./ Ngom Kome) - Eto'o (65./ Meyong-Ze)

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