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06.02.2009 15:56

Grüner Bundesparteisekretär Lockl verlässt Partei

Bei den Grünen bleibt es weiter unruhig: Nach den schweren internen Auseinandersetzungen rund um die letztlich verhinderte Kandidatur von Johannes Voggenhuber bei der EU-Wahl gibt es nun im Führungsteam einen Abtritt - freilich einen freiwilligen, wie Lothar Lockl, bisher Bundesparteisekretär der Grünen betont. Der engagierte Grün-Funktionär war von Global 2000 zu den Grünen gekommen und dort vom Pressesprecher zum Quasi-Generalsekretär aufgestiegen. Nun endet seine politische Karriere doch etwas überraschend.

Den Entschluss für den Rückzug aus der Politik habe er, Lockl, bereits vor der Nationalratswahl gefasst, sagte der 40-Jährige. "Für die nächste Zeit" will Lockl seine Funktion aber noch wahrnehmen. "Ich werde sicher für eine geordnete Übergabe sorgen." Die Zeit bei den Grünen sei jedenfalls "sehr spannend" gewesen, "ich freue mich aber auch auf einen beruflichen Neubeginn", so Lockl ohne Details zu nennen. Beim erweiterten grünen Bundesvorstand noch vor dem Sommer soll über die Nachfolge entschieden werden.

Lothar Lockl steht auch nach seiner Rücktrittsankündigung als grüner Bundesparteisekretär voll und ganz zu seiner Parteichefin Eva Glawischnig. "Sie ist die Idealbesetzung für dieses Amt und hat großen Rückhalt", zeigte er sich loyal. Auch in schwierigen Zeiten sei Glawischnig die geeignete Person, die Grünen anzuführen. Der Abschied aus der Politik erfolge "in bestem Einvernehmen".

Derzeit führt Lockl laut eigenen Angaben Gespräche, was seine berufliche Zukunft betrifft. "Ich habe einige Projekte und Ideen im Kopf, für deren Umsetzung ich nun mehr Zeit haben werde." Für den scheidenden Bundesparteisekretär der Grünen ist es außerdem wichtig, dass es zwischen Politik und Privatwirtschaft sowie NGOs einen ständigen Austausch gebe: "Es besteht immer die Gefahr, dass man betriebsblind wird."

Glawischnig "nicht überrascht"
Nicht überrascht vom Rücktritt des Grünen-Bundesparteisekretärs hat sich Parteichefin Eva Glawischnig gezeigt. Für Lockl sei "es der richtige Zeitpunkt, etwas Neues zu beginnen", so Glawischnig. Man habe bereits vor der Nationalratswahl vereinbart, dass er "noch eine Zeit lang zur Verfügung steht". "Ganz egal, für welchen beruflichen Weg sich Lothar Lockl entscheidet, er wird mit Sicherheit eine große Bereicherung für jedes Team sein." Und auch wenn sich die beruflichen Wege "nun trennen, werden wir weiter freundschaftlich verbunden bleiben", sagte die Parteichefin. Lockl hinterlasse eine "Lücke, die nicht leicht zu schließen sein" werde.

Der ehemaliger Bundessprecher der Grünen, Alexander Van der Bellen, bezeichnete Lockl als "hochprofessionellen Ratgeber, unverwüstlichen Motivator und einen guten Freund".

Kraftwerksgegner und "echter Grüner"
Lockl, geboren am 5. Dezember 1968 in Wien, kann man getrost als "echten Grünen" bezeichnen. Schon als Teenager saß er in der Stopfenreuther Au, um gegen das Wasserkraftwerk Hainburg zu demonstrieren. Seine ersten politischen Sporen verdiente er sich dann in der Umweltorganisation Global 2000, wo er zwischen 1989 und 1999 unter anderem als Pressesprecher und politischer Koordinator tätig war. Eine seiner Weggefährtinnen damals war die heutige Bundessprecherin der Grünen, Eva Glawischnig.

Wenn es um ein Kraftwerk ging, war Lockl in den 90ern stets zur Stelle. So kampagnisierte er etwa gegen das Kraftwerk Lambach in Oberösterreich und organisierte den Widerstand gegen grenznahe AKW etwa in Bohunice und Mochovce mit. Sein wohl größter Erfolg war das von ihm mitorganisierte Gentechnik-Volksbegehren.

Einen Sitz im Parlament hatte der stets glatt bis verbindlich auftretende Lockl nie, trotzdem galt er im ORF als so maßgebliche politische Kraft, dass seine Lebensgefährtin, die Journalistin und Moderatorin Claudia Reiterer nicht mehr in Politsendungen zum Einsatz kam. Intern war Lockl nie ganz unumstritten. Er galt neben Dieter Brosz als einer der Masterminds der Grünen-Strategie unter Van der Bellen, geriet dabei aber weniger ins Schussfeld als Brosz.

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