Vom Krebs besiegt

Peter Persidis im Alter von 61 Jahren gestorben

Fußball
22.01.2009 16:10
Der österreichische Fußball trauert um Peter Persidis. Der ehemalige Co-Trainer der Nationalmannschaft ist am Mittwoch in Wien 61-jährig einem Krebsleiden erlegen, bestätigte der ÖFB am Donnerstag. Persidis fungierte von 2006 bis 2008 als Assistent von Teamchef Josef Hickersberger. Im Juni 2008 war Persidis sogar für 50 Minuten Teamchef, als "Hicke" beim EURO-Duell gegen Deutschland gemeinsam mit Jogi Löw auf die Tribüne verbannt wurde. Zuletzt war Persidis als U19-Teamchef tätig, musste dieses Amt aber aufgrund seiner schweren Krankheit im Oktober zurückstellen.

Davor hatte der Ex-Nationalspieler lange Zeit als Co-Trainer für Rekordmeister Rapid gearbeitet. Mit den Hütteldorfern holte Persidis sowohl als Spieler (1982) als auch als Assistenzcoach (2005) den Meistertitel. Zudem war der Ex-Verteidiger als Legionär bei Olympiakos Piräus (1971-1975) erfolgreich gewesen. Persidis hinterlässt zwei Kinder aus einer geschiedenen Ehe.

"Mit Persidis, der am 8. März seinen 62. Geburtstag gefeiert hätte, verliert die österreichische Fußballfamilie nicht nur einen absoluten Fachmann, sondern auch einen ganz besonderen Menschen, der stets für seinen Sport lebte, dabei aber nie ins Rampenlicht drängte", hieß es in der ÖFB-Aussendung. Zu Ehren und im Gedenken an den verstorbenen Peter Persidis werde das nächste Länderspiel der österreichischen Nationalmannschaft am 11. Februar in Graz gegen Schweden mit einer Trauerminute beginnen.

Echtes Rapid-Urgestein
Der siebenfache österreichische Teamspieler, der in seinem Heimatbezirk Döbling beim Nußdorfer AC mit dem Kicken begonnen hatte und danach zur Vienna (bis 1971) gewechselt war, galt als Rapid-Urgestein. Nach seiner erfolgreichen Zeit bei Olympiakos Piräus (drei Mal Meister/1973, 1974, 1975, zwei Mal Cupsieger/1973, 1975) war Persidis nach dem Abgang von Hans Krankl zum FC Barcelona sogar von 1978 bis 1980 Kapitän der Hütteldorfer, mit denen er 1982 Meister und 1976 Cupsieger wurde. Insgesamt 209 Pflichtspiele bestritt "Mitso", wie ihn viele Freunde in Anlehnung an seinen zweiten Vornamen Dimitri nannten, für die Grün-Weißen.

Sein Länderspiel-Debüt gab der technische exzellente Libero im November 1976 beim 3:0-Auswärtssieg gegen Griechenland in Kavalla. Auch seinen letzten Einsatz im Teamdress bestritt Persidis im Land seines Vaters, als das ÖFB-Team im Februar 1978 in Athen 1:1 spielte. Für die WM 1978 in Argentinien wurde der zweifache Familienvater (Sohn Konstantin, Tochter Sophie) zwar nominiert, kam dort allerdings zu keinem Einsatz, weil zu jener Zeit der legendäre Vorarlberger Bruno Pezzey auf seiner Position überragend spielte.

Vorgänger von Lothar Matthäus
Nach seiner aktiven Zeit hielt Persidis Rapid die Treue, fungierte zunächst von 1984 bis 1987 als U21-Coach. Nach einem Intermezzo in der Privatwirtschaft kehrte er wieder zum Rekordmeister zurück, wo er von 1998 bis Ende 2005 Co-Trainer war. Nur als Interimslösung hatte Persidis 2001 für wenige Wochen als Nachfolger von Ernst Dokupil auf dem Chefcoachsessel Platz genommen, ehe Lothar Matthäus als neuer Rapid-Teamchef präsentiert wurde. Ab Sommer 2002 war dann Josef Hickersberger Boss des Betreuerstabes in Hütteldorf.

Volle sechs Jahre füllte Persidis die Rolle des treuen Adjutanten von Hickersberger aus, denn im Winter 2005/06 nahm er nach Meistertitel und Champions-League-Einzug gemeinsam mit dem um ein Jahr jüngeren Niederösterreicher Abschied von Rapid Richtung ÖFB-Nationalteam, wo er weiter als Co-Trainer des Amstettners fungierte.

Für 50 Minuten Teamchef
Erst bei der Heim-EM 2008 übernahm der zweifache Vater im abschließenden Gruppenmatch gegen Deutschland (0:1) erstmals das ÖFB-Trainerzepter - allerdings wider Willen und nur für 50 Minuten, weil Hickersberger kurz vor dem Pausenpfiff gemeinsam mit Deutschlands Teamchef Joachim Löw auf die Tribüne verbannt worden war. Es war eine denkbar ungewohnte Rolle, in die Persidis damals im wohl wichtigsten Spiel seiner gesamten Betreuerkarriere schlüpfen musste, wollte er doch nie ganz vorne an der Linie stehen. Peter Persidis bevorzugte es stets, der Mann im Hintergrund zu sein, wobei neben seiner Bescheidenheit vor allem seine Loyalität geschätzt wurde - so auch von seinen Freunden Hickersberger und "ÖFB-General" Alfred Ludwig.

"Normalerweise hat ein Assistenztrainer die Ambition, irgendwann einmal selbst Chef zu werden. Hickersberger weiß, dass das bei mir nicht der Fall ist", wurde Persidis nie müde zu betonen. Deshalb entschied er sich, nach dem Abgang von "Hicke" den Betreuerstab des A-Teams ebenfalls zu verlassen, und widmete sich seither voll dem rot-weiß-roten U19-Team. Bei der ersten erfolgreichen Qualifikationsphase der ÖFB-Nachwuchs-Mannschaft Mitte Oktober fehlte Persidis aber bereits wegen seiner schweren Krankheit, die am Mittwoch sein von zahlreichen sportlichen Erfolgen gekröntes Leben beendete.

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