Die ganze Branche hatte es befürchtet, vergangene Woche wurde es amtlich. "Creditreform" meldete die Insolvenz von gleich acht renommierten steirischen Bäckerei-Betrieben. Und ein Ende der Krise ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Für viele heimische Bäcker gibt's weiter Brösel. Vor allem Supermärkte machen den "Weißmützen" zu schaffen. Dort gibt es bereits Brotbackautomaten, die Semmeln kostengünstig produzieren können. Der Kunde kennt meist keinen Unterschied, ob die Ware aufgetaut oder frisch ist.
Das berüchtigte "Tankstellen-Weckerl"
"Hier liegt das Problem", erklärt Landesinnungsmeister Heinz Regula. "Früher gehörte der Gang in die Bäckerei zum täglichen Brot, heute holt man sich die Weckerl aus dem Supermarkt oder der Tankstelle. Dabei ist das selbst aufgebackene Semmerl gleich teuer wie in der Bäckerei." Die Situation sei besorgniserregend, erzählt Regula, man habe quasi das Monopol der Lebensmittelproduktion verloren. Habe vor 20 Jahren noch fast jeder sein Gebäck "ums Eck" geholt, kaufen mittlerweile bereits 55 Prozent der Steirer bei Handelsketten ein.
Nur noch 20 Bäckereien in Graz
"Der Bäckerstand ist akut bedroht", gibt Regula zu, "in den vergangenen Jahren hat allein in Graz die Hälfte aller Betriebe zugesperrt." Aktuell gibt es nur noch 20 Bäckereien in Graz, auch wenn man das kaum glauben mag. Denn der Eindruck ist ja, dass sich an jeder Ecke eine Auer-Filiale findet. Ein Dorn im Auge sind Regula Läden, die Ware zum Schnäppchenpreis anbieten, aber über keine Bäckergenehmigung verfügen. Zwei solche, die sich im rechtlichen Graubereich finden, gibt es bereits in Graz. Dort werden tiefgekühlte Semmeln aufgebacken, die Produkte kommen zum Teil gar nicht aus Österreich. Regula hofft, dass die Steirer wieder den Weg in die traditionellen Bäckereien finden, "sonst ist unser Stand so gut wie tot..."
von Gerhard Felbinger und Gerald Schwaiger, "Steirerkrone"
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