Krone exklusiv

Schwester packt aus: Lainz Spitze des Eisbergs

Nachrichten
09.09.2003 09:07
Zwölf Stunden schrien Patienten vor Schmerzen, weil kein Arzt kam. Absaugschläuche waren verdreckt, weil neue "zu teuer" waren. Pfleglinge lagen ganze Nächte in verschmutzten Windeln. Suchtgiftmittel, die das Leid der Kranken ertragbar machen sollten, seien "verschwunden" - das alles behauptet eine frühere Lainz-Mitarbeiterin in ihrem Dossier. Für die Krone packt sie aus.
Die Schwester sagt im Interview: "Späterarbeitete ich in der Pflegeabteilung auf der Baumgartner Höhe.Dort war alles noch viel schlimmer. 
  
Mehrere Monate war die Krankenschwester (36, Nameder Redaktion bekannt) Mitarbeiterin im Lainzer Hospiz, das nochbis vor kurzem dem Pflegeheim angegliedert war. Dann wechseltesie in die Geriatrieabteilung des Otto-Wagner-Spitals auf derBaumgartner Höhe. Die "Krone" kann exklusiv aus dem Berichtder Wienerin zitieren: 
  
"Die Patienten wurden oft gar nicht gewaschen,geschweige denn umgelagert. Ein Patient schrie einmal vor Schmerzenvon ca. 7.30 Uhr bis 19.30 Uhr, bis endlich der Dienst habendeArzt auftauchte. Er wollte so angeblich unserer Oberärztin?eins auswischen'. Eine ehrenamtliche Mitarbeiterin quittiertenach diesem Vorfall den Dienst." 
  
Wenige Zeilen weiter schreibt die Pflegekraft:"Es begannen Suchtgiftunregelmäßigkeiten. Es fehltenMorapid-Tabletten". Auf Hinweise dazu hätten die Vorgesetzten"kaum reagiert". Und "wie im Mittelalter" kam sich die Krankenschwestervor, als ihr die Hygiene-Maßnahmen erklärt wurden:"Ich durfte die Absaugsysteme nicht, wie es üblich ist,alle 24 Stunden tauschen. Nein: Die Patienten mussten wegen 'Sparmaßnahmen'einen Monat lang mit den Schläuchen auskommen." IhrWechsel in die Geriatrieabteilung der Baumgartner Höhe erschüttertedie Krankenschwester dann aber erneut: "Die Pflegemissständedort waren das Schlimmste, was ich je erlebt habe. Ich war soentsetzt, dass ich dort begann, ein Stationstagebuch zu führen."
  
Am 24. September findet zum Skandal im PflegeheimLainz ein Sondergemeinderat statt. Am Montag forderte auch dieÖVP den sofortigen Rücktritt der SPÖ-GesundheitsstadträtinElisabeth Pittermann: Sie sei mit ihrem Job "offensichtlich überfordert".
  
Richard Schmitt 
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