'Schwänzerin' bricht sich aus Sorge um Schwester Finger

15.02.2012, 09:28
"Schwänzerin" bricht sich aus Sorge um Schwester Finger (Bild: APA/Roland Schlager)
Foto: APA/Roland Schlager
Die Zahl der Schulschwänzer hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Viele Lehrer fordern deshalb härtere Strafen, um den Druck auf die Eltern zu erhöhen. Doch manchmal hat das Fernbleiben vom Unterricht nichts mit dem Desinteresse an Schule und Bildung zu tun, sondern soziale und durchaus persönliche Gründe, wie ein Fall aus Kärnten zeigt. Dort hat sich ein Mädchen sogar selbst den Finger gebrochen, um zu Hause ihre kleine Schwester versorgen zu können.

Das Mädchen war an ihrer Schule bereits seit Längerem als notorische Schwänzerin verschrien. Viele glaubten, dass sie "null Bock" auf Unterricht habe und deshalb zu Hause blieb.

"Dabei war der Grund ein richtig dramatischer", erzählte Rudolf Altersberger, Vizepräsident des Landesschulrats. Denn erst einige Zeit später kamen ihre Lehrer hinter den wahren Grund ihres Fehlens beim Unterricht. Das Mädchen musste sich um seine kleine Schwester kümmern, "weil die Mutter Alkoholikerin und dazu nicht mehr fähig ist", so Altersberger.

Schließlich fielen dem Mädchen keine Ausreden mehr ein, um das Fernbleiben vom Unterricht begründen zu können, weshalb es sich schließlich zu einem äußerst schockierenden Schritt entschloss: Die Schülerin brach sich selbst einen Finger, um daheim bleiben zu können.

Mit Gründen des Schwänzens beschäftigen

In so einem Fall würden härte Sanktionen und höhere Geldstrafen nichts bringen, meint Altersberger, denn nicht immer liege das Fernbleiben an der Unlust, in der Schule zu sitzen. Abgesehen davon könnten Strafen oft "auch gar nicht bezahlt werden", so der Vizepräsident - jährlich würden etwa 200 Verwaltungsstrafen wegen Schwänzens ausgestellt. Statt Strafen zu erhöhen, sollte man sich vielmehr mit den Gründen fürs Schwänzen beschäftigen, glaubt Altersberger.

Landesvize Peter Kaiser spricht sich zudem für ein flächendeckendes Netz von Ganztagsschulen aus, wo Schüler von Früh bis Abend betreut werden. "Außerdem wäre es wichtig, die Zahl der Schulsozialarbeiter zu erhöhen", so Kaiser weiter.

Kronen Zeitung/red
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