Mi, 13. Dezember 2017

Besser böse

16.10.2017 16:00

BMW X3: Zwirn statt Hemdsärmel - und ein M!

Der Ur-X3 von BMW kam seinerzeit aus Graz. Seither ist in München viel Wasser die Isar hinuntergelaufen (und in Graz die Mur), mittlerweile wird er in den USA gebaut, bald auch in Südafrika und China. Im November kommt nach insgesamt 1,5 Millionen verkauften Exemplaren nun die dritte Generation auf den Markt. Was einst noch so etwas wie hemdsärmelige Qualitäten hatte, ist so deutlich premium wie nie. Der neue BMW X3 ist leichter, eleganter, teilautonom und im Innenraum wertiger als seine Vorgänger.

Bis zu 55 Kilogramm hat das "Sports Activity Vehicle", wie sie bei BMW sagen, dank Leichtbau abgespeckt, trotz erweiterter Ausstattung. So werden jetzt alle Dieselmotoren per SCR-Kat (also mit Harnstoff) abgasgereinigt. Die Karosserie wirkt gestrafft und dynamischer als früher, die Seitenlinie verläuft jetzt gerade statt gebogen, die Dachlinie fällt nach hinten ab. Deutlich größere Nieren lassen den X3 von vorne mächtiger auftreten, die LED-Scheinwerfer (Serie, optional adaptiv) sind weiter in die Seite gezogen, die Nebelscheinwerfer sechseckig. Auch am Heck leuchten serienmäßig LEDs. Wer Fernlicht, Bremslicht etc. auch als LEDs will, muss jedoch aufzahlen.

Je nach Ausstattungslinie bringt er für SUVs typische Plastikinsignien mit oder lässt sich sogar noch den letzten Rest SUV-Grobheit abnehmen: Dann gibt es keine unlackierten Teile mehr zum Schutz vor Felsen, Bäumen und Einkaufswagen.

Offroad durch den Großstadtdschungel
Mit einer Bodenfreiheit von 20,3 Zentimetern und dem nochmals weiterentwickelten xDrive-Allradantrieb kann man sich auf ausgefahrene Schotter- und Sandwege ebenso wagen wie über hohe Bremsschwellen, mit Böschungswinkeln von 25,7° vorn und 22,6° hinten muss man auch vor steilen Wegstücken nicht kapitulieren. Sollte die Tiefgarage unter Wasser stehen, kann man bis 50 Zentimeter Wassertiefe noch herausfahren. Wenn es eng wird, helfen die Surround-Kameras, deren Perspektive man am gestochen scharfen Display variieren kann.

Äußerlich gewachsen ist der BMW X3 praktisch nicht, bei annähernd gleichen Außenmaßen (4,71 m lang, 1,89 m breit, 1,68 m hoch) wurde jedoch der Radstand um fünf Zentimeter auf 2,86 Meter gestreckt. Das ist gut für die Optik, aber noch viel mehr für die Insassen, die speziell auf der Rückbank etwas mehr Platz haben. Ein Raumwunder wird der BMW X3 dadurch jedoch nicht.

Der Kofferraum fasst 550 Liter; legt man die Rücksitzlehnen (optional per Lehnenfernentriegelung) um, erstreckt sich hinter der optional per Fußkick elektrisch aufschwingenden Heckklappe ein 1600 Liter fassender ebener Laderaum.

Kräftig aufgeholt hat BMW bei der Anmutung des Innenraums, nun hat der X3 gegenüber Mitbewerbern wie dem Audi Q5 in Sachen Materialqualität wieder die Nase vorn. Die Steilvorlage aus Ingolstadt haben die Münchner bravourös genutzt.

Was die Bedienung angeht, kommt ohnehin niemand an BMW heran, das iDrive mit dem Drehdrücksteller samt integriertem Touchpad bleibt das Nonplusultra. Gegen Aufpreis gibt es wie in 5er und 7er zusätzlich die Möglichkeit, mit den Fingern auf einem 10,25 Zoll großen Touchscreen zu tippen, außerdem Sprachsteuerung sowie einigen Gesten, mit denen man Funktionen auslösen kann. Letzteres ist jedoch nicht mehr als eine Spielerei.

Drei Motoren zum Start
Wenn der BMW X3 am 17 November in Österreich eingeführt wird, stehen drei Motoren zur Wahl, alle mit Achtgang-Automatik und Allradantrieb: der 20d mit einem 190 PS starken Zweiliter-Turbodiesel, der Dreiliter-Sechszylinder-Diesel namens 30d sowie ein neuer 360-PS-Sechszylinder-Benziner im neu eingeführten M40i, dem ersten "M Performance"-Modell in dieser Baureihe.

Wenig später folgen 30i und 20i. Letztgenannter wird außerhalb Europas wahlweise mit Hinterradantrieb angeboten.

Der Sechszylinder-Diesel ist das Rundum-sorglos-Paket. Mit 620 Nm ab 2000/min. und 265 PS geht er kraftvoll, drehmomentstark ohne Verzögerung zu Werke, dazu leise und angenehm im Klang. In beeindruckenden 5,8 Sekunden wuchtet er den 1820 kg schweren Wagen aus dem Stand auf 100 km/h und weiter auf 240 km/h. Der Normverbrauch wird mit 5,7 l/100 km angegeben.

Böser Sound beim X3 M40i
Ein M bei der Modellbezeichnung, das gab es beim BMW X3 noch nie. Ebenso wenig einen derart bösen Auspuffsound, der schon beim Motorstart in der Parklücke einigen Passanten den Kopf herumreißen wird. Die diesbezüglich gute Arbeit des Klappenauspuffs wird im Innenraum unterstützt über die Lautsprecher, die den Motorsound verstärken. Das Brabbeln und Spotzen kommt aber direkt aus dem Auspuff.

Schon ab 1520/min. liegt das maximale Drehmoment von 500 Nm an, dementsprechend direkt setzt sich der X3 M40i in Bewegung, wenn man aufs Gas steigt. Noch schneller geht es mit der Launch Control. Dank Sportfahrwerk geht es auch flott um die Kurven, trotzdem merkt man natürlich, dass man in einem hochbeinigen 1,8-Tonner sitzt. Tempo 100 ist in 4,8 Sekunden erreicht, bei 250 km/h wird abgeregelt.

Fahren und fahren lassen
Für den neuen BMW X3 sind nun auch die Errungenschaften des teilautonomen Fahrens verfügbar, die im 7er- und im 5er-BMW angeboten werden. Der "BMW Personal Co-Pilot" kann nicht nur das Tempo am Vordermann orientieren, sondern auf Autobahnen auch selbstständig lenken. Zudem sorgen Vorfahrt-, Falschfahr- und Querverkehrswarnung für ein Stück mehr Sicherheit.

Unterm Strich
BMW hat den X3 an den richtigen Stellen weiterentwickelt und liefert ein sehr gelungenes Gesamtpaket ab. Die Preisliste beginnt zum Verkaufsstart bei 50.600 Euro für den 20d. 62.500 Euro werden für den 30d fällig, während das Topmodell M40i auf 75.950 Euro kommt. Die Wahrheit liegt jedoch in der Aufpreisliste verborgen - Fluch und Segen eines Premium-Autos…

Warum?

  • Tolle Antriebe
  • Wertigerer Gesamtauftritt

Warum nicht?

  • Der Hecktriebler kommt nicht nach Europa.

Oder vielleicht …

… Audi Q5, Mercedes GLC, Range Rover Velar

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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