So, 19. November 2017

Rau und ursprünglich

15.05.2017 08:33

Island, die wachsende Insel

Man kennt den Eyjafjallajökull und seit der letzten EM das Fußballteam, man weiß von Wasserfällen und Geysiren, Feen und Trollen - aber Island hält noch viele Überraschungen bereit. Wasserfälle, Gletscher, aktive Vulkane, Lavafelder und Thermalwasserpools - auf der Insel ist eine spektakuläre Natur zu erleben.

Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, wo man die Entstehung der Erde hautnah miterleben kann. Island befindet sich quasi in den Kinderschuhen und wächst noch. Die Insel liegt halb auf der nordamerikanischen, halb auf der eurasischen Platte, und dort, wo die beiden spektakulär auseinanderdriften, befindet sich einer der magischsten Orte der Welt: Thingvellir.

Thingvellir
Heute ein großer Nationalpark, war diese Schlucht in alter Zeit ein wichtiger Treffpunkt der Isländer. Hier wurde vor mehr als 1000 Jahren der Staat gegründet, mit dem ersten Open-Air-Parlament in Nordeuropa. Unendlich viele Sagen und Legenden haben sich um diesen Ort gebildet, ihm einen Zauber verliehen, den man heute noch spürt. Auch wenn man in erster Linie überrascht ist von den vielen Tauchern, die einem begegnen. Aber in Thingvellir liegt der größte See Islands, und man taucht mutig zur Spalte ab, wo sich Amerika und Europa geologisch voneinander entfernen.

Die Blaue Lagune
Diesen magischen Ort kann man bei einer kleinen Rundreise von der Hauptstadt Reykjavík aus - dem sogenannten Goldenen Kreis - besuchen. Ebenso die spektakulären Geysire, die alle paar Minuten meterhohe Fontänen heißen Wassers in die Luft "spucken" und den prachtvollen Wasserfall Gullfloss, der über zwei versetzte Stufen in die Tiefe donnert. Nicht weit von Reykjavík liegt auch die "Blaue Lagune", ein Thermalbad der Sonderklasse. Inmitten einer Lavalandschaft schwimmt man im heißen blauen Wasser, dem jede Menge Heilkräfte nachgesagt werden, fühlt sich dabei aus der Zeit und der bekannten Welt geworfen.

Die Westfjorde und Grábrók
Mit diesen Stationen hat man einen hübschen ersten Eindruck von Island gewonnen, aber unendlich viel Spektakuläres versäumt. Also sollte man sich mehr Zeit nehmen und die Insel einmal umrunden. Die fast lieblich anmutenden Westfjorde, wo die eigenwilligen Isländer-Pferde gezüchtet werden, sind in jedem Fall einen Besuch wert. In Glaumbær taucht man in die nicht ganz so ferne Vergangenheit ein, in eine bäuerliche Siedlung aus dem 19. Jahrhundert. Und dann wartet noch der Grábrók, ein eindrucksvoller Vulkankrater, den man mittels Holztreppen besteigen und umrunden kann.

Der Landschaft kann man sich in ganz Island nicht entziehen. Sie ist vielfältig, farbenreich und prachtvoll. Nur selten findet man Siedlungen - die meisten der etwa 300.000 Isländer leben in der Bucht von Reykjavík. Mit großem Abstand folgt die Hauptstadt des Nordens - Akureyri. Eine hübsche, überaus freundliche Hafenstadt mit alten Villen, in der sogar die roten Ampeln herzförmig leuchten. Von dort aus geht es weiter in eine wesentlich rauere Umgebung. Der Wasserfall der Götter, der Godafoss, wartet hier ebenso wie das bizarre Lavafeld Dimmuborgum, Heimat vieler versteinerter Trolle und der 13 isländischen Weihnachtsmänner.

Namafjall
Immer wieder dampft es aus kleinen Schluchten, rund um den Myvaten-See gibt es genug Thermalwasser, in dem man auch baden kann. Da steht einem das eigentliche Erlebnis des Nordens aber noch bevor. Am Fuß des Bergs Namafjall wartet ein riesiges Schwefelfeld. Hier blubbert es gefährlich, dampft es aus allen Ecken und Enden, stinkt es penetrant nach Schwefel, und doch sieht man pure Schönheit. Die Braun- und Ockerschattierungen der Landschaft, das Weiß des Dampfes und das Blau des Wassers vereinen sich zu einem Kunstwerk, das nur die Natur erschaffen kann.

Vatnajökull
Wasserfälle, wie der riesige Dettifoss, pittoreske Landschaften mit kleinen bunten Häusern und unzählige Schafe begleiten einen auf dem Weg in die Ostfjorde und dann gegen Süden. Langsam nähert man sich so der grauen, in diesem Fall weißen, Eminenz der Insel an, dem Vatnajökull. Im Vergleich zu ihm ist der Eyjafjallajökull, der sich gleich nebenan befindet und der mit seinem Ausbruch 2010 den europäischen Flugverkehr lahmlegte, ein Knäblein. Der riesige eisbedeckte Vulkan prägt die Landschaft, die eisigen Lagunen, in die Gletscherzungen kalben, sind ein Schauspiel, das man gesehen haben muss, dazu moosbewachsene Lavafelder und überdimensionale schwarze Basaltsäulen an schwarzen Stränden.

Die Isländer leben gut mit ihren Vulkanen, nützen ihre Energie zur Stromversorgung. Sie warten gespannt, wann der Vatnajökull wieder ausbricht. Alle 100 Jahre soll es so weit sein, jetzt ist er schon 20 Jahre überfällig. Aber manchmal bebt die Erde, und der Fluss riecht schwefelig. Angst hört man bei diesen Erzählungen nicht heraus, eher Vorfreude. Denn schließlich ist jeder Ausbruch, jedes Beben ein Zeichen der wachsenden Insel, der sich weiterentwickelnden Erde.

Der Tourismus in Island boomt und beginnt bereits seine Marken in der bislang unberührten Landschaft zu setzen. Wer also den rauen, ursprünglichen Charme dieser Insel und ihrer Bewohner genießen will, sollte das bald tun.

Michaela Reichart, Kronen Zeitung

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