Mi, 23. Mai 2018

Smart Home

06.12.2016 10:23

Vernetztes Zuhause beschwört neue Risiken herauf

Das eigene Zuhause schon von unterwegs mit dem Smartphone auf eine wohlige Temperatur bringen, die Beleuchtung steuern oder von unterwegs sehen, wenn die Kamera eine ungewöhnliche Bewegung wahrnimmt: In immer mehr Haushalten halten intelligente, vernetzte Geräte Einzug. Doch bei aller Euphorie über den wachsenden Markt hat sich zuletzt Ernüchterung eingestellt: Öffnen die Anwendungen Tür und Tor für Angreifer?

Dass diese Sorge durchaus berechtigt ist, zeigte jüngst die Attacke auf die Router der Deutschen Telekom. Bei dem weltweit angelegten Angriff hatte eine dem Mirai-Botnetz zugerechnete Schadsoftware bestimmte Router des Konzerns unter Dauerfeuer gesetzt. Anders als ursprünglich angenommen, konnte sich die Software zwar nicht in den Routern einnisten, doch der Beschuss ließ sie schließlich abstürzen.

Als der Angriff weitestgehend abgewehrt war, waren sich alle Experten einig: Es hätte auch weitaus schlimmer kommen können. Routern wurde bisher nicht allzu viel Aufmerksamkeit gezollt. Die kleinen Geräte mit Plastikgehäuse fristen in der Regel in irgendwelchen Ecken der Haushalte unbeobachtet ihr Dasein und stehen eher nicht als Hightech-Gadget im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Sicherheit bislang sträflich vernachlässigt
Das tun allerdings auch Babyfone nicht. Inzwischen oft mit Kamera und WLAN ausgestattet, bieten auch sie potenziellen Eindringlingen oft ein leichtes Spiel. Erste Schreckensmeldungen gab es bereits aus den USA, wo sich Fremde offenbar Zugriff auf die Geräte in Kinderzimmern erschlichen. Die IT-Sicherheitsfirma Rapid7 untersuchte zuletzt sieben Babyfone verschiedener Hersteller - und stieß dabei bei allen Geräten auf Sicherheitslücken.

Beunruhigend sind nicht allein die Testergebnisse, die zahlreiche Schlupflöcher für Angreifer offenbarten. Es liege für die Hersteller weit ab von der Norm, sich überhaupt darum zu kümmern, entdeckte Sicherheitslücken zu schließen, kritisierten die Experten. Bei einigen Anbietern habe es nicht einmal die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme gegeben. Es sei zu hoffen, dass sich das ändern werde, schreiben die Sicherheitsforscher.

Die Dringlichkeit dürfte exponentiell mit dem Wachstum des Internet der Dinge zunehmen. Wie die letzten Cyberangriffe gezeigt haben, werden aktuell eher relativ "dumme" Geräte wie Babyfone, Webcams, vernetzte Heizungsthermostate, mit dem Netz verbundene Kühlschränke - oder eben Router - zum attraktiven Ziel von Kriminellen.

Forderung nach einheitlichen Standards und Gütesiegel
Denn bei vielen Produktgruppen des smarten Zuhauses, die das Internet der Dinge inzwischen bevölkern, stand das Thema Sicherheit bisher nicht gerade oben auf der Agenda. Oftmals kommen nicht einmal simple Sicherheitsvorkehrungen wie ein Passwort-Schutz zum Einsatz. Dabei zeigten Hacker immer wieder, wie zum Teil erschreckend einfach sich jemand von außen Zugriff verschaffen kann.

Um der wachsenden Gefahr zu begegnen, fordern daher Sicherheitsexperten wie Arne Schönbohm, Präsident des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, eine Art Sicherheitsgütesiegel für die Geräte. Auch Hans-Joachim Kamp, Aufsichtsratschef der deutschen Gesellschaft für Unterhaltungselektronik, sieht hier Handlungsbedarf - und plädiert für einheitliche Standards. Die Anbieter müssten "hart daran arbeiten", die Lösungen so einfach wie möglich, "aber auch so sicher wie nur irgend möglich zu gestalten", um die Nutzer vom Smart Home zu überzeugen.

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