Di, 12. Dezember 2017

krone.at-Test

11.09.2015 11:03

"Mario Maker": Grenzen setzt hier nur die Fantasie

Pünktlich zum 30. Geburtstag des wohl berühmtesten Installateurs der Welt macht Nintendo Marios treuer Fangemeinde ein ganz besonderes Geschenk: Seit 11. September können sie endlich selbst Jump'n'Run-Levels kreieren und in "Super Mario Maker" Welten bauen, bei denen ihnen nur die eigene Fantasie Grenzen setzt. Wie sich der Mario-Baukasten "spielt" und was von den Online-Features zu halten ist, hat krone.at getestet.

Seit Jahrzehnten warten Nintendo-Fans auf eine Möglichkeit, selbst Levels für ihren hüpfenden Helden zu bauen. Jetzt haben sie endlich eine – und zwar eine sehr gelungene. Nintendo nutzt beim "Super Mario Maker" geschickt die Stärken seiner Wii U aus, deren Tablet-Controller mit präzisem Eingabestift ein mächtiges Werkzeug für die Erschaffung neuer Mario-Welten ist. Bauen am Touchscreen, Spielen mit den klassischen Buttons: Das klappt richtig gut.

Grafikstile verschiedener Mario-Epochen
Spieler dürfen im "Super Mario Maker" Levels im Stil des ersten "Super Mario Bros." bauen, den Grafikstil aber jederzeit in eine andere Mario-Epoche lenken. Die Optik von "New Super Mario Bros. U" steht ebenso zur Verfügung wie jene von "Super Mario Bros. 3" oder des legendären "Super Mario World", in dem Nintendo-Dino Yoshi Anfang der Neunziger seinen ersten Auftritt hatte. Alles inklusive typischer Fertigkeiten und Items, versteht sich. Was in "Super Mario Bros. 3" als Blatt aus einem Fragezeichenstein kommt, ist in "Super Mario World" ein Umhang und im "New Super Mario Bros."- Stil ein Propellerhelm.

Endloses Potenzial für kreative Ideen
Die Möglichkeiten, die sich beim Levelbau bieten, limitiert dabei im Grunde nur die Fantasie des Spielers. Er darf Röhren, Steine, Schwammerl und Feinde verteilen, wie es ihm beliebt, den grundlegenden optischen Stil einer Welt – Oberwelt, Unterwelt, Geisterhaus, Unterwasserwelt und dergleichen – bestimmen und sich richtig kreativ austoben.

Vieles lässt sich anpassen: Füttert man einem Goomba im Editor einen Pilz, wird er riesig. Verleiht man einem Koopa-Troopa Flügel, wird er zur besonders lästigen Flugschildkröte. Stopft man einen Gegner in einen Fragezeichen-Stein, hat man eine fiese Falle. Münzen in ein Kanonenrohr, und schon sorgt die vermeintliche Gefahr für einen Geldregen.

Fiese Rätsel, coole Kettenreaktionen
Eine Welt, die Mario nur passieren kann, wenn er Power-up-Pilzen aus dem Weg geht und an der richtigen Stelle klein ist? Warum nicht? Ein Kettenreaktions-Level, in dem Mario einfach nur von Beginn an still stehen muss, um unbeschadet an Lavaseen, Flammenwerfen, Kettenhunden und allerlei anderen Feinden vorbeizukommen? Oder eine Welt im Pokémon-Stil, die Mario im – neben vielen anderen Verkleidungen freischaltbaren – Pikachu-Anzug bewältigt? In "Super Mario Maker" kein Problem. Das Potenzial für kreative Level-Ideen ist schier unbegrenzt, der einfach zu bedienende und doch mächtige Editor aus unserer Sicht sogar pädagogisch wertvoll.

Gelungene Online-Komponente
Wer seine kreativen Schöpfungen mit Freunden teilen will, kann dies tun: "Super Mario Maker" bietet die Möglichkeit, Levels hochzuladen und sie anderen Spielern zur Verfügung zu stellen. Einzige Bedingung: Der Erbauer muss vor dem Upload einmal demonstrieren, dass die Welt grundsätzlich zu bewältigen ist. Ist der Beweis erbracht, folgt der Upload – und Nintendo-Fans auf der ganzen Welt können auf den eigenen Level zugreifen.

Ein nettes Feature: Der Online-Modus protokolliert, an welchen Stellen Spieler draufgehen, und bietet anderen Gamern die Möglichkeit, Notizen in der Welt zu hinterlassen. Der Erbauer eines Levels bekommt also nach dem Upload Feedback, ob sich seine fiesen Fallen als wirkungsvoll erweisen oder ein Level unvorhergesehene Probleme macht.

Level-Nachschub geht nie aus
Der angenehme Nebeneffekt des Level-Archivs im Netz: Der Nachschub an kreativen Welten geht in "Super Mario Maker" nie aus, ständig laden Spieler auf der ganzen Welt neue Levels hoch. Besonders fiese Levels aus Japan, die den Spieler zur Weißglut treiben, kreative Machwerke aus Frankreich oder Spanien: Schon zum Start des Mario-Baukastens ist das Online-Archiv gut gefüllt, und die Levels werden täglich mehr. Damit dabei die Übersicht nicht verloren geht, gibt es ein Bewertungssystem, das besonders gelungene Welten vor den Vorhang holt.

Und wenn die Levels aus dem Netz doch mal langweilig werden? Dann dienen sie halt als Inspiration für eigene Bauprojekte, die noch größer, fieser oder bunter sind. Im Test funktionierte dieser Wechsel zwischen Selbstbau und Online-Levels hervorragend, der Mario-Baukasten eignet sich für stundenlange Bau-Orgien, an deren Ende ein Mario-Abenteuer mit acht mehrere Einzel-Levels langen Abschnitten steht ebenso für das schnelle Game mit den Levels aus dem Netz zwischendurch.

Keine richtige Kampagne, Editor wächst
Schwächen leistet sich Nintendo bei seinem "Mario Maker" so gut wie keine. Spieler könnten zwar bemängeln, dass es keine Einzelspieler-Kampagne gibt, sondern sich die Herausforderungen darauf beschränken, eine gewisse Anzahl von Levels – eine kleine Auswahl von Nintendo liegt dem Spiel bei, weiteren Nachschub gibt es online – mit einer gewissen Anzahl von Leben zu überstehen. Aber weil beim "Mario Maker" das Bauen im Vordergrund steht und Spieler sich ihre eigenen Abenteuer basteln können, kann man das eigentlich nicht als Schwäche werten.

Streiten ließe es sich auch über Nintendos Entscheidung, den vollen Funktionsumfang des Editors erst nach und nach freizuschalten. Der Spieler startet bei "Mario Maker" mit begrenzten Möglichkeiten: Standardsteine, Röhren, Kanonenfutter wie Goombas oder Koopa-Troopas, das war's. Weitere Bauelemente, mächtigere Gegner und Gegenstände kommen im Verlauf der ersten zehn Spieltage täglich dazu, erst danach entfaltet der Editor sein volles Potenzial.

Manche Spieler fühlen sich dadurch bevormundet, den Einstieg erleichtert diese Vorgehensweise aber tatsächlich. Und wer nicht warten kann, kann immerhin durch einen Trick alle Bauoptionen sofort freischalten: Einfach die Systemuhr vorstellen.

Fazit: "Super Mario Maker" ist eigentlich kein Spiel im klassischen Sinne. Eher eine Art 2D-Lego für Mario-Fans, bei dem sie ihre Werke online mit Gleichgesinnten teilen, fiese Welten aus aller Welt spielen und als Inspiration nutzen und vor allem ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. Das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch pädagogisch wertvoll und dank Touchscreen-Gamepad sehr gut zu bedienen. Ein Pflicht-Titel für große wie kleine Mario-Fans mit einer kreativen Ader.

Plattform: Wii U
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 10/10

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