Do, 19. Oktober 2017

Zorn und Wut

30.09.2014 15:15

Wie Sie mit Aggression bei Ihrem Kind umgehen

Woher Aggression bei Kindern kommt, ist nach wie vor ungeklärt. Fakt ist jedoch, dass Wut weder für die betroffenen Eltern noch für die Kinder sehr angenehm ist. Es gilt daher, Wege zu finden, wie man mit der Wut am besten umgehen kann. Und das ist nicht so leicht. Erziehungstipps rund um das Thema Aggression bekommen Sie hier.

Woher kommt die Aggression?
Ein Wutanfall macht ein Kind noch nicht zu einem tendenziell aggressiven Menschen. Doch häufen sich die zornigen Ausbrüche bzw. ist eine negative, tendenziell attackierende Grundhaltung des Kindes mit der Zeit erkennbar, dann ist in der Regel Handlungsbedarf gegeben. Man geht davon aus, dass Aggression zum einen durch das Erbgut weitergegeben wird. Zum anderen spielen Faktoren im Umfeld des Kindes eine große Rolle. Wissenschaftlich erwiesen ist jedoch, dass Buben häufiger zu aggressivem Verhalten neigen als Mädchen – jedoch äußert sich Aggression bei Mädchen auch anders, sie ist schwieriger zu beobachten, da sie sich seltener in beobachtbarer, körperlicher Gewalt äußert.

Aggression steigert sich in der Regel bis zum dritten Lebensjahr, bis dahin haben Kinder dann gelernt, Lösungen zu finden und auch Kompromisse einzugehen. Ein gewisses Maß an Aggression ist in jedem von uns vorhanden. Denn wenn wir uns vor einer Gefahr sehen, dann haben wir zwei Optionen: Flucht oder eben Angriff – Aggression. Aggression sichert daher bis zu einem gewissen Grad unser Überleben. Bei manchen Menschen gelangt sie jedoch im Laufe der Zeit zu einer zu starken Ausprägung. Das hat auch viel mit dem Umfeld zu tun, in dem ein Kind aufwächst.

Kinder orientieren sich im Verhalten sehr stark an den Eltern. Aggressive Eltern erziehen daher häufig aggressive Kinder, da die Kinder das entsprechende Verhalten vorgelebt bekommen. Auch werden Kinder häufig in ihren Wutanfällen bestärkt, da sie bei den ersten Zeichen von Wut sofort bekommen, was sie wollen – die Eltern setzen somit das falsche Signal: "Wenn ich wütend werde, bin ich der Boss." Kinder betteln auch oft einfach nur um Aufmerksamkeit – wenn sie aggressiv werden, dreht sich auf einmal alles um sie. Und das ist natürlich eine feine Sache. Obwohl Ihr Kind sich vielleicht bei dem Verhalten gar nicht wohlfühlt.

Anfangs setzt Ihr Kind seine Wutausbrüche vielleicht noch taktisch ein, um etwas zu bekommen oder einer Strafe zu entgehen. Schnell wird dieses Verhalten jedoch zu einem natürlichen Verhalten. Es ist anderen gegenüber feindselig, unterstellt böse Absichten und geht von sich aus erst einmal in eine Abwehrhaltung anderen gegenüber. So macht es sich sein Umfeld feindlich, wird von seinen Mitschülern und Freunden abgelehnt und dadurch noch negativer und noch aggressiver.

Wie können Sie helfen?
Sie müssen spätestens dann einschreiten, wenn Ihr Kind beginnt, zerstörerisch sich selbst oder seiner Umgebung gegenüber zu werden. Dabei gilt es, das Verhaltensmuster Ihres Kindes zu durchbrechen. Überlegen Sie sich, wie Sie bisher auf Wutanfälle Ihres Kindes reagiert haben. Wahrscheinlich haben Sie ihm einen Vortrag gehalten, zurückgeschimpft. Dadurch haben Sie Ihr Kind mit Aufmerksamkeit bedacht, aber gleichzeitig bei ihm weitere Aggressionen ausgelöst. Versuchen Sie, diesen Kreislauf zu unterbrechen. Bemühen Sie sich, sich in Ihr Kind hineinzuversetzen. Warum reagiert Ihr Kind so, wie es reagiert?

In der Situation des Wutanfalls können Sie relativ wenig tun. Und je weniger Sie tun, desto besser. Denn Ihr Kind erhält dann keine Bestärkung, und Verhalten, das nicht verstärkt wird, wird langsam seltener, da es keinen Sinn zu haben scheint. Sie können versuchen, Ihr Kind durch körperlichen Kontakt zu beruhigen, da Nähe oft einen beruhigenden Effekt hat. Ist Ihr Kind wieder ruhig, versuchen Sie, mit ihm zu reden. Fragen Sie es, warum es so zornig geworden ist. Erklären Sie ihm in einfachen Worten, was das bei Ihnen bzw. bei anderen auslöst. Dass es Sie traurig macht. Und versuchen Sie, ihm aufzuzeigen, wie es sich besser verhalten kann.

Gleichzeitig gilt es, all jene Reaktionen Ihres Kindes zu loben, die Sie an ihm öfter sehen wollen. Wenn es sein Spielzeug anstandslos teilt, loben Sie es dafür. Wenn es wartet, bis Sie fertig telefoniert haben, bevor es an Ihrem Ärmel zupft, sagen Sie ihm, dass Sie das toll gefunden haben. Überraschen Sie es, wenn es mehrere Tage brav war, mit einem Ausflug. Wichtig ist generell, auf ausreichend Bewegung zu achten, damit Ihr Kind sich austoben kann, denn manchmal ist Aggression auch schlicht ein Zeichen von Unterforderung oder Unausgeglichenheit. Und vermitteln Sie ihm ganz deutlich, wie lieb Sie es haben.

Richtig strafen
Wenn Ihr Kind in seiner Wut ein falsches Verhalten zeigt, sollten Sie es jedoch auch angemessen bestrafen. Wichtig ist dabei, dass die Strafe einen unmittelbaren Zusammenhang mit dem falschen Verhalten hat und zeitlich direkt nach dem Verhalten erfolgt – denn sonst kann das Kind keinen Zusammenhang herstellen, da alles andere zu abstrakt wäre. Hat Ihr Kind in seiner Wut beispielsweise eine Vase kaputt gemacht, dann reduzieren Sie sein Taschengeld, bis der Wert der Vase abbezahlt ist. Hat es Chaos in seinem Zimmer verbreitet, dann gibt es erst Nachtmahl, wenn die Unordnung beseitigt ist. Wichtig ist, dass Ihr Kind merkt, dass Sie gerade sein Verhalten bestrafen, aber es trotzdem lieb haben.

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