Sa, 21. Oktober 2017

Mensch vs. Maschine

17.02.2011 08:51

Computer „Watson“ siegt bei „Jeopardy“ gegen Mitspieler

Die Hirnwindungen waren nicht so schnell wie die Schaltkreise: Bei dem US-Spielshowklassiker "Jeopardy" hat der Supercomputer "Watson" zwei menschliche Champions geschlagen. Trotz einiger Schwächen, vor allem bei Fragen über die EU, brachte der Rechner es am Mittwochabend auf einen Gewinn von insgesamt einer Million Dollar - und ließ seine menschlichen Konkurrenten damit weit hinter sich.

"Jeopardy" ist ein Fernsehquiz mit drei Kandidaten. Wer zuerst drückt und richtig antwortet, gewinnt mehrere Hundert Dollar. Zum ersten Mal hat nun ein Computer, "Watson" von IBM, den Platz eines Kandidaten eingenommen - und seine menschlichen Mitbewerber auf die Plätze verwiesen.

"Watson" antwortete zwar ein paar Mal falsch, letztlich drückte er mit seinem Roboterarm aber schneller und hatte sehr oft auch die richtigen Fakten parat. Schwach war er beim Themenkomplex Europäische Union. So wusste er nicht, dass die frühere jugoslawische Republik Slowenien zur EU gehört. Als gefragt wurde, was wegen des Schengener Abkommens nicht mehr kontrolliert wird, war er sich zu 33 Prozent sicher, dass "Reisepässe" die richtige Antwort ist - die tatsächlich richtige Antwort "Grenzen" erwog er nur mit 14 Prozent.

Spannendes Duell Mensch gegen Maschine
In der ersten Runde lagen "Watson" und sein menschlicher Gegenspieler Brad Rutter - er hatte mit über 3,2 Millionen US-Dollar zuvor das bislang höchste Preisgeld in der Geschichte der Fernsehshow einheimsen können - noch gleichauf. In der zweiten führte die Maschine dann beide menschlichen Konkurrenten vor und erspielte 35.754 Dollar - weit mehr als das doppelte von dem, was beide Männer mit 10.000 beziehungsweise 4.800 Dollar zusammen einspielten. In der dritten Runde war Rutter bald abgeschlagen, dafür lag aber Ken Jennings, der den Rekord mit 74 aufeinanderfolgenden Teilnahmen an der US-Quizshow hält, lange deutlich voran. Nach zwei Dritteln der Sendezeit hatte er etwa 17.000, "Watson" nur gut 12.000 Dollar.

Computer "Watson" gewinnt eine Million Dollar
In den letzten Minuten startete der Computer aber seinen Durchmarsch und ließ den beiden Menschen keine Chance mehr. Zuletzt standen 35.754 Dollar auf seiner Anzeige, bei Jennings waren es 10.000 Dollar und bei Rutter 4.800 Dollar. Durch den Spielmodus katapultierte sich der Gewinn für "Watson" sogar auf 77.000 Dollar und letztlich auf eine runde Million.

IBM bastelte 3 Jahre lang an "Watson"
"Watson" ist ein Technik-Herkules: Er verfügt über die Rechenleistung von 2.800 durchschnittlichen Computern und 15 Terabyte Arbeitsspeicher. Das ergibt einen Zugang zu mehr als 200 Millionen Seiten Inhalt. Internet-Anschluss hat er nicht. Drei Jahre lang bastelte US-Computergigant IBM an "Watson" und investierte nach Schätzungen von Experten etwa 100 Millionen US-Dollar (74 Millionen Euro). Wie viel der Computer wirklich gekostet hat, verrät die Firma allerdings nicht. Das Preisgeld von einer Million US-Dollar geht wohltätigen Zwecken zu.

Watson soll künftig reale Probleme lösen
Der Hersteller denkt inzwischen schon über "Jeopardy" hinaus. "IBM geht es ganz sicher nicht nur ums Spielen", sagte die Vizepräsidentin für Forschung, Katherine Frase, dem Fernsehsender CNN. "Wir werden die besten Wege finden, Watsons Technologie zur Lösung von realen Problemen einzusetzen."

Man könne den Computer beispielsweise als Frage-und-Antwort-Anwendung für die Kundenbetreuung nutzen oder aber als Analysewerkzeug für Finanzunternehmen. "IBM war schon immer sehr effizient, wenn es darum ging, Profit aus seinen vorangegangenen Investitionen zu schlagen", weiß Charles King, Präsident des Instituts für Technologie-Analyse "Pund-IT".

Schach gegen "Deep Blue" machte den Anfang
Das Duell erinnerte an die Schachpartie zwischen dem Computer "Deep Blue", ebenfalls von IBM, und Garri Kasparow. Der Maschine war es 1996 gelungen, den damaligen Schachweltmeister zu schlagen. Ein Jahr später besiegte er Kasparow auch in einem ganzen Turnier.

Der Versuch mit "Deep Blue" hatte damals einen Durchbruch in der Computertechnik gebracht: Statt eines einzigen großen wurden damals mehrere Prozessoren zugleich eingesetzt. So konnte die Rechenleistung erheblich erhöht und der Energieverbrauch reduziert werden.

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