Sa, 16. Dezember 2017

Rollende Festung

16.08.2010 13:41

Skurriler Mercedes von Aldi-Gründer Theo ist verkauft

Die Sitzbezüge sind einfachste Wahl, das Radio auch, doch der Rest ist eher Marke James Bond. Jetzt wurde die schwer gepanzerte Limousine des verstorbenen Multimilliardärs Theo Albrecht bei einer Internetauktion verkauft - um 86.150 Euro. Der Wagen verfügt über 6,5 Zentimeter dicke Fensterscheiben, Abhörmikrofone für die Umgebung, ein Telefon im Kofferraum und eine eigene Sauerstoffversorgung - für den Fall eines Giftgas-Angriffs.

"Es muss noch gecheckt werden, wer der Käufer ist und ob er das Geld überhaupt hat", sagte Autohändler Michael Fröhlich am Montag in Düsseldorf. Die Auktion war am späten Sonntagabend ausgelaufen. 139 Gebote wurden abgegeben.

Das kann der Aldi-Mercedes
Der blau-schwarze Mercedes S-Klasse ist unauffällig. Durch die abgedunkelten Scheiben sieht man nicht, ob jemand im Fond sitzt. Aber die Limousine hat es in sich: 6,5 Zentimeter dicke Scheiben (siehe Bild) sollen sogar Panzerfaust-Beschuss abwehren. Die Bodenplatte aus härtestem Stahl ist Panzerungskategorie B 7 - das ist Präsidenten-Klasse, mehr geht nicht. Der Sicherheitswahn des Aldi-Gründers lässt sich aber durchaus erklären. 1971 war Albrecht entführt worden, 17 Tage lang dauerte sein Martyrium.

"In einem baugleichen Auto hat der georgische Präsident Eduard Schewardnadse einen Anschlag mit zwei Panzergranaten überlebt", sagt Autohändler Michael Fröhlich. Rund 1,5 Millionen Mark dürfte die Spezialanfertigung 1996 gekostet haben - mit 174.000 Kilometern auf dem Tacho hätte er nun für 100.000 Euro den Besitzer wechseln sollen. So viel ist es nicht ganz geworden.

"Ein fahrender Tresor"
"Das ist ein fahrender Tresor", sagt Fröhlich. Das Auto spiegelt die Angst des Konzernlenkers wider, der sich jahrzehntelang nicht fotografieren ließ. Für den Fall eines Giftgasanschlags hat der Wagen eine eigene Sauerstoffversorgung. Eine Wechselsprechanlage sorgt für die Kommunikation zwischen Panzerzelle und Außenwelt  - Mikrofone können jedes Wort im Umkreis von 30 Metern belauschen. "Er hat offenbar sehr viel Angst gehabt."

Alle Türen sind mit Sprengsätzen ausgestattet - auf Knopfdruck lassen sie sich wegsprengen. Im Kofferraum ist ein Telefon versteckt - falls etwaige Entführer ihre Geisel dort einsperren. Auch den Deckel konnte Albrecht absprengen. Wegen seiner 3,5 Tonnen ist die gepanzerte Limousine mit ihrem 4,2-Liter-Motor und 278 PS fast eine lahme Ente. "Fährt sich schwerfällig wie ein beladener Lkw", sagt der Händler naserümpfend.

Reifen halten sogar Maschinengewehr-Beschuss stand
Die Seitenscheiben sind so schwer, dass kein Fenstermotor sie bewegen könnte: "Die haben eine eigene Hydraulik." Die Spezialreifen rollen auch nach Maschinengewehr-Beschuss weiter. Mit dem Kennzeichen E-ZF 8261 soll Albrecht mit seinem Chauffeur bis eineinhalb Jahre vor seinem Tod unterwegs gewesen sein - dann wurde der Wagen abgemeldet.

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