So, 22. April 2018

Geplanter Verschleiß?

09.01.2018 14:31

iPhones langsam gemacht: Ermittlungen gegen Apple

Wegen der Leistungsdrosselung bei älteren iPhone-Modellen droht Apple juristischer Ärger in Frankreich: Die Oberstaatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen gegen den US-Konzern ein, wie die Nachrichtenagentur AFP von Seiten der Ermittler erfuhr. Der Vorwurf lautet auf "programmierte Produktalterung" und Betrug.

Im äußersten Fall droht Apple eine Strafe von bis zu fünf Prozent des Jahresumsatzes. Auch in den USA sind Kunden vor Gericht gezogen. Die französische Justiz reagiert damit auf eine Anzeige der Verbraucherschutz-Organisation Hop (Halte a l'obsolescence programmée (Stopp der programmierten Produktalterung). Sie hat 2600 Zeugenaussagen von Apple-Kunden gesammelt.

„Globale Strategie“ für vorzeitigen Verschleiß?
Hop wirft dem Konzern eine "globale Strategie" zum vorzeitigen Verschleiß seiner Produkte vor, um damit die Verkäufe von iPhones künstlich anzukurbeln. Hop-Anwalt Emile Meunier begrüßte das Vorgehen der Oberstaatsanwaltschaft: Es handle sich "um das erste Strafverfahren weltweit" gegen den US-Hersteller.

Apple äußerte sich auf AFP-Anfrage vorerst nicht zu den Vorwürfen. Der Konzern hatte im Dezember aber eingeräumt, dass ältere iPhone-Modelle per Software-Update gezielt verlangsamt werden. Dadurch solle verhindert werden, dass diese iPhones mit gealterten Akkus sich plötzlich ausschalteten, erklärte das Unternehmen und entschuldigte sich bei seinen Kunden. Überdies tauscht man alte Akkus nun günstiger aus. In den USA zogen dennoch mehrere Kunden vor Gericht, eine zivile Sammelklage gilt als möglich.

„Geplante Obsoleszenz“ in Frankreich strafbar
Das Verfahren in Frankreich wird durch ein Gesetz von 2015 ermöglicht, das EU-weit einzigartig ist: Es stellt die "geplante Obsoleszenz" von Produkten unter Strafe. Laut Gesetzestext sind dies "alle Techniken, mit denen ein Anbieter vorsätzlich die Lebensdauer eines Produktes verkürzt, damit die Austausch-Rate erhöht wird".

Verantwortlichen drohen nach diesem Gesetz bis zu zwei Jahre Haft, gegen das Unternehmen kann eine Strafe von bis zu fünf Prozent des Jahresumsatzes verhängt werden. Apple hatte Ende Dezember bestritten, dass seine Produkte ein eingebautes Verfallsdatum hätten.

Auch Epson im Visier der französischen Justiz
Auch dem Druckerhersteller Epson droht in Frankreich Ungemach: Die Staatsanwaltschaft in Nanterre westlich von Paris ermittelt seit Ende Dezember gegen die japanische Firma. In dem Fall geht es um Tintenpatronen, mit denen Kunden nach einer bestimmten Zeit nicht mehr drucken können, obwohl noch Tinte darin vorhanden ist.

Apple und Epson sind die ersten beiden Fälle, in denen das französische Gesetz zum Schutz der Verbraucher seine Wirksamkeit beweisen muss. Einige Experten halten es für schwierig, großen Unternehmen Vorsatz nachzuweisen.

 krone.at
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