Der dramatische Rettungseinsatz am Hochkönig macht mich betroffen und gleichzeitig auch wütend. Drei junge Männer entscheiden sich trotz eindringlicher Warnungen und einer ausgesprochen schlechten Wetterprognose für den Einstieg in den Königsjodler-Klettersteig. Viel zu spät, wie sich herausstellen sollte. Als einer von ihnen nicht mehr weiterkonnte, setzten seine beiden Begleiter ihren Aufstieg offenbar fort und ließen ihn auf rund 2600 Meter Seehöhe erschöpft und unterkühlt zurück. Was muss in Menschen vorgehen, die ihren eigenen Kameraden in einer derartigen Situation zurücklassen? Dass die Bergrettung Mühlbach (Sbg.) anschließend unter lebensgefährlichen Bedingungen einen 14-stündigen Einsatz bewältigen musste, verdient allerhöchsten Respekt und Dankbarkeit. Elf Bergretter kämpften sich bei Eis, Schnee, Sturm und schwierigen Sichtverhältnissen zu dem jungen Mann durch. Sie setzten nicht nur ihre Gesundheit, sondern ihr eigenes Leben aufs Spiel. Genau hier stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie viel Leichtsinn, Selbstüberschätzung und mangelnde Eigenverantwortung dürfen wir noch voraussetzen, bevor solche Menschen endlich auch die Konsequenzen ihres Handelns tragen müssen? Ich hoffe ausdrücklich, dass dieses unverantwortliche Verhalten nicht ohne Folgen bleibt, angemessene und empfindliche Strafen ausgesprochen werden und die Verursacher finanziell für die enormen Kosten des Einsatzes aufkommen müssen, soweit dies rechtlich möglich ist. Ebenso hoffe ich, dass die Versicherung ihre Leistungspflicht kritisch prüft und dort, wo die Bedingungen es zulassen, eine Kostenübernahme ablehnt. Die Bergrettung ist da, um Menschen in Not zu helfen. Das ist eine bewundernswerte und unverzichtbare Aufgabe, die überwiegend von freiwilligen Helfern mit enormem persönlichem Einsatz geleistet wird. Aber sie darf nicht als selbstverständliches Sicherheitsnetz für jede noch so leichtfertige Entscheidung missverstanden werden. Wer Warnungen ignoriert, Wetterprognosen missachtet, Touren falsch plant und seinen Kameraden zurücklässt, handelt nicht nur unverantwortlich gegenüber sich selbst. Er bringt auch jene in Gefahr, die unter schwierigsten Bedingungen ausrücken, um Leben zu retten. An all jene, die glauben, sie müssten den Helden in den Bergen spielen, sei gesagt: Liebe Menschen, die ihr Hasen seid: Aus euch wird niemals eine Gämse! Also bleibt bitte in eurem Bau und gefährdet nicht andere, die für euren Leichtsinn Kopf und Kragen riskieren müssen. Die Berge sind kein Abenteuerspielplatz, und die Bergrettung ist keine Versicherung gegen grenzenlose Selbstüberschätzung. Ein aufrichtiges Danke an die Bergrettung Mühlbach und alle beteiligten Einsatzkräfte. Ihr habt Außergewöhnliches geleistet. Eure Arbeit verdient Respekt, Anerkennung und Unterstützung – und ganz sicher nicht, dass andere sie durch vermeidbaren Leichtsinn aufs Spiel setzen.
Jürgen G. Pernkopf, Göming
Erschienen am Do, 5.11.2026
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