Auch wenn die Großmächte ohnehin machen, was sie wollen, und Europas Abhängigkeit einmal mehr problematisch ist, kann ein möglichst breiter Diskurs über KI-Gefahren nicht schaden. Immerhin hat KI zweifellos tiefgreifende Auswirkungen auf die gesamte Menschheit. Das führende KI-Forschungsunternehmen Anthropic hat gar erklärt, man schätze das Risiko, dass KI im Laufe des nächsten Jahrzehnts „alle Menschen tötet“, auf „über 10 Prozent“. Nun kann man zu den Apokalyptikern gehören und vor dem Untergang warnen oder als KI-Euphoriker den Fokus auf die Faszination des Fortschritts legen. Tatsache ist, dass es hier um einen globalen Wettbewerb geht, den niemand verlieren möchte. Unbeantwortet bleibt dabei allerdings die entscheidende Frage, welches Ziel die Menschheit als Ganzes langfristig verfolgt. Denn wenn ohne Regulative in diesem Höllentempo „fortschrittlich“ weiterentwickelt wird, kann sich jeder selbst ausrechnen, dass es nur eine Frage der Zeit bis zum skizzierten Szenario mit der selbstständigen KI-Entscheidung ist, „den Menschen als Störfaktor auszuschalten“. Dafür muss man nicht einmal Pessimist sein. Wenn wir als Realisten nur eine Sekunde an die nächsten Generationen denken, kann die einzig logische Schlussfolgerung daher nur sein, dass klare Regeln längst überfällig sind. Vielleicht sind wir ohnehin an einem Punkt angekommen, an dem wir zur Erkenntnis gelangen sollten, dass der Schlüssel für das langfristige Überleben unserer Spezies darin besteht, weniger gegeneinander zu konkurrieren und mehr miteinander zu arbeiten. Damit wäre statt „schneller, höher, weiter“ endlich das möglich, was unser Planet samt seinen Bewohnern in vielerlei Hinsicht am dringendsten braucht: „langsamer, demütiger, bodenständiger“. Aber das in Zeiten wie diesen zu erreichen, bleibt wohl nur ein schöner Traum.
Christoph Winter, Puch bei Hallein
Erschienen am Fr, 18.9.2026
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