Der österreichische Postenschacher ist kein Relikt der Vergangenheit, sondern das verlässlichste Betriebssystem der Republik. Während ÖVP und SPÖ das Land seit Jahrzehnten wie eine private Eigentumswohnung aufteilen, beweisen die vermeintlichen Saubermänner der Opposition rasante Lernkurven, sobald sie in Regierungsverantwortung sind. Grüne und Neos sind als moralische Instanzen angetreten und als Meister des pragmatischen Unterbringens geendet, sobald der Fressnapf in der Nähe war. ÖVP und SPÖ betrachten den Staat nicht als Mandat, sondern als Erbgut. Kompetenz ist Nebensache, das richtige Parteibuch bleibt die wahre Qualifikation. Reformversprechungen sind nur Beruhigungspillen für das wahlmüde Stimmvolk. Die Grünen stiegen immer auf die Barrikaden gegen die Freunderlwirtschaft. Sobald sie in der Regierung waren, haben sie ihre Günstlinge mit Posten versorgt. Die Neos sind als transparente Erneuerer vor 13 Jahren gestartet. Als sie im Machtzentrum angekommen waren, sind sie blitzschnell im Realismus der Postenvergabe angekommen. In Österreich können sich zwar die Koalitionen ändern, aber niemals die Spielregeln. Das politische System gleicht einem geschlossenen Kreislauf. Wer oben sitzt, füttert die Seinen. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass Moral im rot-weiß-roten Polit-Betrieb lediglich die Währung ist, mit der man sich den Zugang zu den Fressnäpfen erkauft.
Bernhard Martin Veselka, Geinberg
Erschienen am Mi, 22.7.2026
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