Das freie Wort

Wer nicht hören will...

. . . muss fühlen, so lautet ein altes, sehr bekanntes Sprichwort. Die ÖVP wurde bei der Steiermarkwahl dermaßen abgestraft, dass den handelnden Personen eigentlich „Hören und Sehen“ vergehen müsste. Aber nein, auch diese Wahlschlappe wird nach der EU- und der Nationalratswahl von der Österreichischen Volkspartei nach den ersten Wortmeldungen der Spitzenfunktionäre eigentlich nicht besonders aufgeregt zur Kenntnis genommen. Schuld sei die böse FPÖ, die „alle“ Protestwähler – laut Herrn Generalsekretär Stocker – einfangen konnte. Tja, wenn es immer so leicht wäre, eine dermaßen arge Wahlniederlage zu deuten. Vielleicht sollten diese Herrschaften der Verliererparteien doch einmal überlegen, welche Themen bei den letzten Wahlen den Bürgern mehr als nur wichtig waren. Sie hätten auch noch genug Zeit dafür gehabt, sich dieser Probleme anzunehmen und sie zu lösen. Die ÖVP war die gesamte letzte Legislaturperiode mit den Grünen im Bund, die nur Schulden und Chaos hinterlassen und den Wählerwillen nach den letzten Wahlen nicht ernst genommen haben. Ein Bundespräsident, der plötzlich eine andere Einstellung zur Verfassung und zur (Nicht-) Vergabe eines dementsprechenden Regierungsbildungsauftrages an die FPÖ hatte, ein Kanzler, der sich persönlich nur selbst retten möchte und den die ÖVP mutmaßlich nicht besonders interessiert. Er schaut sich jede Wahlschlappe an, reagiert aber nicht, damit er noch fünf Jahre Kanzler „spielen“ kann. Aber auch er wird eines Tages zur Vernunft kommen müssen, denn die Wahlausgänge kommen durch die Wähler zustande und fallen nicht vom Himmel. Wer also nicht hören will, muss fühlen.

Alexander Eisel, Graz

Erschienen am Di, 26.11.2024

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