Tausende Menschen, die durch die dubiosen Geschäftspraktiken bei der deutschen Warenhauskette Galeria Kaufhof oder die Schließung von kika/Leiner-Filialen ihre Arbeit verloren haben, werden wenig Mitleid mit dem Scheitern des einstigen Wunderwuzzis René Benko haben. Es zeichnet sich ab, dass seine Praxis, Firmen aufzukaufen, um dann die lukrativen Teile (meist Immobilien) zu filetieren, zu zerschlagen und zu verwerten, nun an dem von ihm aufgebauten Imperium angewandt werden könnte. Prominente aus Politik und Wirtschaft, die sich gerne nach Lech oder auf die Jacht des Finanzjongleurs einladen ließen, gehen auf Distanz. Mit riskanten Transaktionen und Krediten in Zeiten geringer Zinsen wurden für Projekte Geschäftspartner gefunden, die bereit waren, gewaltige Summen in das „Geschäftsmodell“ zu investieren. Die Goldgräberzeit, in der Geldgeber und Investoren mit saftigen Dividenden ruhiggestellt wurden, ist vorbei. Während einige ihr Geld rechtzeitig in Sicherheit gebracht haben, zittern andere Investoren um ihre eingesetzten Millionen. Auch Banken, die das Milliardenkarussell mitgetragen haben, stehen durch eine mögliche Zerschlagung des Firmenkonglomerats vor riesigen Verlusten. Mit dem Rückzug von Benko (er hat seine Schäfchen sicher längst im Trockenen) aus dem Firmenimperium und dem Beginn der Sanierung wird Klarheit aufkommen, wie es um das Firmengeflecht mit rund tausend Firmen wirklich steht. Wie es nach den zahlreichen Insolvenzen mit den gestoppten großen Bauprojekten weitergehen wird, ist offen. Fest steht, dass die Auswirkungen und Verluste derzeit nicht absehbar sind und im schwer angeschlagenen Konzern kein Stein auf dem anderen bleiben wird.
Mag. Hans Rankl, St. Pölten
Erschienen am Di, 7.11.2023
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