Das freie Wort

Wertvolle Unterstützung für den Tierschutz

Die Grünen, die im Regierungsprogramm der ÖVP für den Tierschutz nur ein kleines Paket abhandeln konnten, haben durch den Druck der „Kronen Zeitung“ – besonders durch deren Interview mit dem neuen, vom ÖVP-Bauernbund kommenden Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig – wertvolle Unterstützung für mehr Tierschutz bekommen. Dass er ein Interview mit der „Krone“-Tierschutzexpertin einfach abgelehnt hat, ist ihm und seiner Partei wohl spürbar auf den Kopf gefallen und dürfte dazu geführt haben, dass die ÖVP einer Verlängerung der Begutachtungszeit und Nachverhandeln für das Tierschutzpaket mit dem grünen auch für Tierschutz zuständigen Gesundheits- und Sozialminister Hannes Rauch nun zustimmt. Die ÖVP hat bisher im Interesse ihrer Klientel, also der großen konventionellen Massentierhalter, einem Verbot von tierquälerischen Vollspaltenböden in der Schweinezucht beharrlich die Zustimmung verweigert, während die Grünen als kleinerer Koalitionspartner sich mit ihrem Argument nicht durchsetzen konnten, dass die Biobauern es ja beweisen, dass es ohne Vollspaltenböden, mit Tierwohl durch Einstreu und mehr Platz auch geht. Genaugenommen hat die ÖVP bis jetzt ja eine Wettbewerbsverzerrung gegenüber den Bio-Tierhaltern begangen, weil sie und die ihr nahestehende Agrarmarkt Austria (AMA) sowie auch Handelskonzerne bei konventionell in Massentierhaltung erzeugtem Fleisch die täuschende Marke „Mehr Tierwohl“ bewerben, obwohl hier nur ganz wenig mehr Platz und nur ein kleiner Teil des Stalles in Einstreu geboten wird, während Bio-Tierhaltung pro Tier wesentlich mehr Platz und den gesamten Stall artgerecht eingestreut vorsieht und somit echtes Tierwohl bietet. Während Biobauern auch keine billigen gentechnisch manipulierten Futtermittel aus Südamerika verwenden und ihre eigenen Futtermittel wie Mais nicht mit energieaufwendigem Kunstdünger düngen und mit Pestiziden spritzen, sondern mit Fruchtfolge den Boden fruchtbar halten und die Beikräuter mit höheren Kosten mechanisch, teilweise händisch regulieren, stellt die konventionelle Tierhaltung gegenüber der artgerechten Viehzucht der Biobauern eine weitere unfaire Konkurrenz dar. Das alles prallte an der ÖVP bisher ab, und ich hoffe, dass es die Grünen nun Dank des erhöhten Druckes von den Medien, Konsumenten und sogar von Handelsketten leichter haben werden, dem Koalitionspartner Fortschritte für echtes Tierwohl abzuringen.

Karl Semmler, Bad Blumau

Erschienen am Mi, 8.6.2022

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