Das freie Wort

Krasse Fehlentscheidung

Erst mit dem barbarischen Angriff Russlands am 24. Februar 2022 auf die Ukraine wurde der breiten Öffentlichkeit bekannt, dass Österreich von Russland zu rund 80 Prozent Erdgas bezieht. Nach der ersten Schockstarre reagierten die USA mit wirtschaftlichen Sanktionen, welchen sich die EU in vorauseilendem Gehorsam gleich anschloss. Auch ein Gaslieferstopp wurde ins Auge gefasst, bis man erkannte, dass dies realitätsfremd und mangels Alternativen nicht durchführbar ist. Die Annexion der Krim im Jahre 2014 erfolgte nach einem politischen und zeitweise bewaffneten Konflikt um die ukrainische Halbinsel Krim. Spätestens jetzt hätten unsere Verantwortungsträger erkennen müssen, dass Putin kein verlässlicher Geschäftspartner ist. Trotzdem suchten noch viele Politiker und Funktionäre die Nähe Putins und hofierten ihn. Abgehalfterte Politiker, die in Putins Diensten standen, rudern jetzt zurück und müssen auf ihre Gagen verzichten. Wegen dieser Misere um russisches Gas muss man der OMV, der E-Control als Aufsichtsbehörde, den verantwortlichen Politikern und betroffenen Managern ein vernichtendes Zeugnis ausstellen, dass sie es seit vielen Jahren versäumt haben, Alternativen zu verwirklichen und Ausschau nach anderen Anbietern zu halten, um die Abhängigkeit zu minimieren. Auch auf den eventuellen Ankauf von Flüssiggas (LNG) hätte man setzen können. Zwar profitierte Österreichs Bevölkerung vom billigen Gas, aber für die Manager zählte nur die Gewinnmaximierung. Laut Daten des europäischen Branchenverbandes GIE (Gas Infrastructure Europe) sind die Gasspeicher in Österreich nur noch zu 12,5 Prozent gefüllt. Trotz wirtschaftlicher Bedenken hätte das nicht passieren dürfen. Angesichts der westlichen Boykott-Drohungen ist es besorgniserregend, dass Russland die nötige Infrastruktur schaffen will, um die Exporte nach China und Asien zu vervielfachen. Auch wenn Österreich mit Russland bis 2040 Gasliefer-Verträge abgeschlossen hat, könnte der unberechenbare Putin früher oder später das Gas umleiten, um wirtschaftlich überleben zu können. Das würde uns besonders treffen, weil andere europäische Länder nicht in dem Ausmaß von Russland abhängig sind. Bleibt nur zu hoffen, dass unsere Politiker und Manager in der Panik nicht mit so genannten Schurkenstaaten Gas-Geschäfte abschließen.

Peter Puster, Feldkirchen bei Graz

Erschienen am So, 17.4.2022

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