Das freie Wort

Die Wach- und Schließgesellschaft

Zusperren scheint das Einzige zu sein, was unsere Bundesregierung tatsächlich gut beherrscht. Man muss nach mehr als einem Jahr der Pandemie leider feststellen, dass bei ihrer Bekämpfung wesentlich mehr schief- als gut gelaufen ist. Unzählige fragwürdige, zum Teil schwer verständliche Verordnungen, Serien-Lockdowns und gravierenden Fehlentscheidungen, die letztlich in einem wahren Impfchaos, an dem niemand schuld und für das schon gar niemand verantwortlich sein will, ihren Höhepunkt gefunden haben, waren unsere bisherigen Begleiter durch diese Pandemie. War man schon nach dem ersten Lockdown der Ansicht, man könne sich weitere nicht mehr leisten, kann sich daran offensichtlich heute niemand mehr erinnern, und auch nach einem Jahr hat man leider keine zielgerichtetere Lösung parat, als Leute wegzusperren und große Teile der Wirtschaft lahmzulegen. Präventivmaßnahmen wie Grenz- und Flughafenschließungen, lückenlose Grenzkontrollen, den Ausbau von Intensivkapazitäten in ganz Österreich, effektive Luftreinigungsgeräte an Schulen und vieles mehr, was dazu beigetragen hätte, weitere Lockdowns abzuwenden, wurden entweder gar nicht oder nur sehr lückenhaft und halbherzig durchgeführt. Dass wir am Ende in ein Impfstoffdebakel geschlittert sind, ist nur die Fortsetzung einer breiten Pannenserie und die Folge von „Sparen am falschen Ort“. Die Ausgaben für Impfstoffe mit 200 Millionen zu begrenzen, ist einfach ein böser Scherz. Ausbaden müssen diese Unzulänglichkeiten die Bürger unseres Landes, von denen sehr viele bereits schwer von den Kollateralschäden der „Corona-Maßnahmen“ betroffen sind. Auch kommt es einer Groteske gleich, wenn die Bundeshauptstadt Wien mit knapp 2 Millionen Einwohnern bei 176 belegten Intensivbetten Alarm schlägt und OP-Verschiebungen, ja sogar Triagen vermeldet. Und wenn Österreich bei 450 Intensivpatienten – nach einem Jahr Pandemie – ebenfalls bereits am Limit ist und eine Überlastung der Intensivstationen als gegeben sieht, dann ist das kein intaktes Gesundheitswesen, sondern ein Armutszeugnis der österreichischen Gesundheitspolitik, die ganz offensichtlich die wichtigsten Maßnahmen der Pandemiebekämpfung verschlafen hat. Deshalb sollte man nicht immer die unfolgsamen, verantwortungslosen Bürger anprangern, sondern auch die vielen Fehlleistungen der Gesundheitspolitik und des gesamten Krisenmanagements aufzeigen. Gerade diese kosten sehr viel Geld und, was noch viel schlimmer ist, auch viele Menschenleben, über die man in diesem Zusammenhang nicht spricht.

Franz Zwickl, Muthmannsdorf

Erschienen am Sa, 3.4.2021

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