Ich mag nicht die Kompetenz besitzen, mich zu den medizinischen Aspekten der „Krise“ zu äußern. Als Historiker glaube ich mich aber durchaus berechtigt, die politische Entwicklung zu kommentieren. Tatsächlich fühle ich mich derzeit stark an den aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts erinnert und an die Devise Josephs II.: „Alles für das Volk, nichts durch das Volk!“ Auch jetzt wird uns ja ständig erklärt, alles geschehe nur zum Besten der Bürger, während uns gleichzeitig jegliches Recht auf Selbstbestimmung abgesprochen wird. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um darin einen ersten Schritt in Richtung autoritärer Staat zu sehen (richtiger müsste man sagen: einen weiteren Schritt). Der politische Aufstieg der FPÖ wurde von den Linken stets mit Mahnungen vor dem Überwachungs- und Polizeistaat begleitet, unter dem Motto: „Wehret den Anfängen!“. Wo sind diese Stimmen jetzt, da Freiheit und Selbstbestimmung von einer türkis-grünen Regierung tatsächlich massiv eingeschränkt werden? Es wäre schön, wenn eine Zeitung den Mut hätte, diese Frage auch einmal öffent-lich zu stellen.
Dr. Siegfried Pichl, Linz
Erschienen am Di, 28.4.2020
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