Das freie Wort

Gretas finsterer Blick!

Man kann Greta Thunbergs „finsteren Blick“ sehr unterschiedlich interpretieren. Professionell „besorgt“ um die Zukunft der Menschheit. Oder äußerst skeptisch, weil da schon wieder eine Politikerin aufkreuzt, die viel zu wenig gegen den Klimawandel tut. Auch wenn sie die Fridays-for-Future-Bewegung gegen deren zahlreiche Kritiker verteidigt! Wobei ich mich den optimistischen Worten von Umweltministerin Leonore Gewessler keineswegs so pauschal anschließen will: So richtig „gekämpft“ um die Zukunft, wie sie meint, wird seitens der Greta-Follower ja nicht gerade. Wie viele der zahlreichen Forderungen der engagierten Schwedin sind sie denn wirklich bereit zu erfüllen? Ich gehe sogar so weit: Hätte Greta (oder ihre Berater) nicht den genialen Einfall gehabt, ihre Demonstrationen ausgerechnet zur regulären Unterrichtszeit anzusetzen, dann wären ihre Leute wohl kaum bereit gewesen, ihre kostbare Freizeit dafür zu opfern. Doch jetzt wurde der jungen Schwedin vom Coronavirus auch noch endgültig die Show gestohlen. Auf einmal scheint tatsächlich alles möglich zu sein, was sie im Kampf gegen die Erderwärmung gefordert hatte: Sich für alles und jedes zu „schämen“, was im Grunde zu unserem normalen Alltag dazugehört und worauf die wenigsten verzichten wollten. Denn plötzlich stehen „alle Räder still, weil das Virus es so will“! Storniert wurden weite Reisen, Tausende Flüge werden wegen der Erkrankungsgefahr gestrichen. Empfohlen werden möglichst wenige Kontakte zu anderen Menschen; am besten, man bleibt einfach gleich daheim. Selbst große Tagungen von Ärzten und Medizinern werden abgesagt. Schulen bleiben geschlossen; Import und Export, ebenfalls energieintensiv und schädlich fürs Klima, brechen dramatisch zusammen. Viele Firmen fahren ihre Produktionen drastisch herunter, als wäre wieder einmal eine Weltwirtschaftskrise ausgebrochen. Erstaunlich wie auch jene, welche Gretas Appelle für ein „einfaches Leben“ bisher als reinen Humbug betrachteten, aus purer Angst, angesteckt zu werden, dieselben jetzt plötzlich befolgen. Ja, inzwischen hat sogar ein regelrechtes Wettrennen um den aufsehenerregendsten Verzicht auf all das eingesetzt, was wir bisher „unentbehrlich“ nannten. Konsumaskese heißt das neue Zauberwort! Und irgendwie scheint die geschundene Natur selbst zum Gegenangriff gegen jene anzutreten, die ihr schon so lange Gewalt angetan haben.

Helmut Magnana, Wien

Erschienen am Mi, 11.3.2020

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