Großbritanniens Austritt aus der EU per 31. 1. hat bei vielen Zeitgenossen in Kontinentaleuropa Tränen ausgelöst. Kaum ist dieses ominöse Datum verstrichen, poltert der britische Premier Boris Johnson schon wieder wie ein wildgewordener Stier (man beobachte seine Körperhaltung bei Ansprachen!) in Richtung seiner ehemaligen Fellows, die sein Land jahrzehntelang hindurch menschlich und fachlich begleiteten. Diesmal geht es um das künftige handelspolitische Miteinander zwischen Großbritannien und der EU ab 1. 1. 2021. Man hat fast den Eindruck, Großbritannien sei vor 47 Jahren in die damalige EWG hineingezwungen worden, und nun habe sie sich „gewaltsam“ befreit. Wie war es denn wirklich? Als der britische Premier Winston Churchill 1945/46 erstmals von der Notwendigkeit sprach, dass sich die wichtigsten europäischen Länder durch einen strikten Handelsvertrag „vereinen“ sollten, meinte er nicht zuvorderst sein eigenes Land. Er kannte nämlich seine eigenen Landsleute. Und nicht nur er, sondern auch der französische Staatspräsident Charles de Gaulle verhinderte in den Sechzigerjahren des vorigen Jahrhunderts zweimal mit seinem Veto einen britischen Beitritt. Den Jüngeren unter uns sind noch die kämpferischen Töne der britischen Premierministerin Margaret Thatcher im Ohr, als sie in den Achtzigerjahren den milliardenteuren „Briten-Rabatt“ einforderte („I want my money back“) – und die damalige EWG gab nach. Die Sonderstellung der Briten ging weiter: Eintritt in die Eurozone? Ach wo, das Pfund tut’s auch! Umstellung auf das metrische Maßsystem? I wo, Inch, Feet, Yard u. dgl. sind uns vertrauter. Und so ging es weiter bis zur ominösen Volksabstimmung 2016, was den Brexit nach sich zog. Okay, die Briten waren potente Nettozahler, was auch der Grund war, dass Brüssel in vielen Dingen klein beigab, indes es half nicht. Trotz allem: Es gibt ein Weiterleben nach dieser politischen Scheidung.
Dr. Josef Mannert, Wien
Erschienen am Di, 11.2.2020
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