Zukunft ungewiss

Blanchard wartet auf Vertragsverlängerung

Fußball
12.04.2008 15:49
Seit Jahren ist er die Konstante im violetten Team, der Kapitän auf einem Schiff, das seit 2003 manch unruhiges Fußball-Gewässer durchfahren hat. Jocelyn Blanchard hat mit der Wiener Austria fast alles erlebt - vom Meistertitel über das UEFA-Cup-Viertelfinale bis hin zum vorübergehend letzten Tabellenplatz im Dezember 2006. Die Zukunft des 35-jährigen Franzosen im Austria-Trikot ist aber ungewiss. Blanchard hängt wie viele seiner Kollegen mit einem auslaufenden Vertrag in der Warteschleife.

"Für mich ist das aber kein Problem. Ich bin es gewöhnt, meistens erst am Schluss dranzukommen", erklärte Blanchard. "Diese Saison ist ein bisschen kompliziert." Derzeit verhandelt die Austria-Führung abschließende Details mit größeren Sponsoren, die den Abgang von Mäzen Frank Stronach als Hauptgeldgeber kompensieren sollen. Erst danach können weitere Spielerverträge abgeschlossen werden. "Das kann ich verstehen. Bis Juni will ich aber nicht warten", sagte Blanchard. Das Ligafinale am 26. April sei ein Richtwert.

Blanchard will noch ein Jahr in Wien bleiben
Der Mittelfeldspieler will dem Cupsieger laut eigenen Angaben zumindest ein weiteres Jahr erhalten bleiben. Einen ähnlichen Wunsch hegt der Verein, wenngleich der neue Trainer, der im Sommer Interimscoach Dietmar Constantini nachfolgt, noch nicht feststeht. "Ich will auf jeden Fall noch ein Jahr hier spielen, weil ich mich wohlfühle", erklärte Blanchard. Zu hohe finanzielle Forderungen sollen kein Hindernis darstellen. "Ich bin einmal ein teurer Spieler gewesen, aber das bin ich jetzt nicht mehr."

Der aktuelle deutsche Teamchef Joachim Löw hatte den Franzosen für das zentrale Mittelfeld im Sommer 2003 nach Favoriten geholt. Danach war der Leithammel auch unter den Duos Kronsteiner/Söndergaard und Stöger/Schinkels sowie zuletzt unter Georg Zellhofer tätig. Die aktuelle Saison sei keine schlechte gewesen, betonte Blanchard vor dem Gastspiel am Sonntag in Altach. "Wir haben auch unter Zellhofer guten Fußball gespielt. Wir waren sogar einige Monate Tabellenführer, das darf man nicht vergessen."

Aufbau einer neuen Akademie geplant
Neues Ziel ist Platz drei und damit der Einzug in den UEFA-Cup. "Wir haben genug Qualität, das auch zu schaffen", versicherte Blanchard. Langfristig rät der Franzose der Austria, weiterhin intensiv in die Nachwuchsförderung zu investieren. Ökonomisch sinnvolles Ziel sei es, jedes Jahr mehrere junge Spieler gewinnbringend ins Ausland zu verkaufen. Derzeit arbeiten die Wiener am Aufbau einer neuen Akademie, zumal jene in Hollabrunn mit Ende der kommenden Saison zum Stronach-Club FC Magna übergeht.

"Ohne Akademie, das wäre eine Katastrophe für den Club", so Blanchard. Der Austria-Kapitän selbst hatte seine professionelle Fußball-Ausbildung ab dem zwölften Lebensjahr in Nordfrankreich genossen, bevor er in Dünkirchen in der zweithöchsten Spielklasse debütierte. Weitere Stationen waren der FC Metz, Juventus Turin (1998/99) sowie Racing Lens. "Jeder Verein braucht ein Nachwuchssystem als Rückgrat", erklärte Blanchard. "Aber er braucht auch eine gute Kampfmannschaft als Vitrine. Ich bin ein Spieler für die Vitrine. Dessen bin ich mir bewusst."

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