Sturm diktierte von Beginn an das Spielgeschehen. Zwingende Torchancen blieben aufgrund einer soliden Rieder Defensivleistung allerdings Mangelware, bis sich Prettenthaler kurz vor Seitenwechsel ein Herz nahm und vom linken Strafraumeck abzog. Der scharfe Ball passte ebenso perfekt wie unhaltbar für Ried-Goalie Gebauer ins lange Kreuzeck. Es war der zweite Saisontreffer des 24-jährigen Linksverteidigers.
Bis dahin hatten Stankovic (15.) und Kapitän Jürgen Säumel nach einem Solo (27.) die besten Möglichkeiten vorgefunden. Ried war lediglich durch einen Drechsel-Weitschuss gefährlich (43.). Sturm-Coach Franco Foda war aufgrund der Sperren von Samir Muratovic und Jakob Jantscher zu Umstellungen gezwungen, setzte mit Stankovic, Mario Haas und Ozren Peric erfolgreich auf drei Stürmer.
Auf dem Platz war der Sturm-Kapitän erneut der Spieler mit den meisten Ballkontakten. Die Grazer kontrollierten das Spiel auch nach der Pause, ohne zu wirklich großen Chancen zu kommen. Stankovic schoss nach einem Alleingang links am Tor vorbei (59.). Auf der Gegenseite war Akagündüz zweimal gefährlich, scheiterte aber mit einem Volley an Gratzei (68.) bzw. aus extrem spitzem Winkel an der Außenstange (70.).
Bei den Grazern brachte Stankovic, der zum zweiten Mal im Frühjahr von Beginn an zum Einsatz gekommen war, mit einem herrlichen Heber von der Strafraumgrenze die ersten Frühjahrs-Punkte für Sturm im eigenen Stadion unter Dach und Fach. Gebauer war deutlich zu weit vor seinem Tor gestanden. Das nützte der 22-Jährige listig zu seinem sechsten Saisontor.
Ried wartet damit weiterhin seit Anfang September (1:0 in Innsbruck) auf einen Auswärtssieg. In den vergangenen zehn Spielen in der Fremde haben die Innviertler lediglich einen einzigen Punkt eingefahren. Für die Grazer war es der 20. Sieg in insgesamt 22 Bundesliga-Heimspielen gegen Ried.
Überraschende Heimniederlage für Austria gegen Kärnten
Die Wiener Austria hat hingegen am Samstag drei fix eingeplante Punkte im Titelrennen verloren. Just am 97. Geburtstag der "Veilchen" (Datum der Anmeldung des Vereins) kassierten die Favoritner eine 0:1-Heimniederlage gegen Abstiegskandidat Austria Kärnten - und konnten die Schlappe diesmal nicht auf das Schiedsrichtertrio schieben.
Die Austria eröffnete allerdings eindrucksvoll: Von den Schiedsrichter-Traumata der jüngsten Vergangenheit scheinbar manisch getrieben, rollten die Angriffe in der ersten Viertelstunde im Minutentakt auf das Tor von Kärnten-Goalie Schranz. Die frühe Führung für die Gastgeber verhinderte aber nicht der Schlussmann, sondern Aluminium: Nach einem Aigner-Kopfball (6.) erzitterte erst die Latte, bei einem Kopfball-Versuch von Kuljic aus aussichtsreicher Position kurz darauf der Pfosten (9.).
Kaum waren diese beiden Chancen so fahrlässig vergeben worden, verebbte die violette Flutwelle auch schon. Wenngleich die Wiener noch immer den Ton angaben: Ein überraschter Acimovic wusste nach Lasnik-Hereingabe wenige Meter vor dem Tor aber nichts mit dem Ball anzufangen und verstolperte (25.). Im Gegenzug musste Safar bei einem gefährlichen Ortlechner-Kopfball in extremis retten (27.).
Die mit einem offensiven 3-6-1 agierenden Kärntner traten in den letzten 20 Minuten der ersten Hälfte wesentlich selbstbewusster und frecher auf, lauerten auf Konter und hielten die Partie offen - wenngleich konkrete Einschussmöglichkeiten ausblieben. In punkto Verwarnungen hatte die zum Punkten verdammte Schinkels-Elf freilich schon zur Hälfte die Nase vorn: Der tadellose Schiri Prammer hatte den Gästen fünfmal Gelb gezeigt, einmal davon für den im Strafraum zur Schwalbe mutierten Junuzovic (35.).
Unter den Augen von ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger manifestierte sich die optische Überlegenheit der Wiener auch zu Beginn der zweiten Halbzeit in guten Einschussmöglichkeiten: Kuljic sprang nach schöner Lasnik-Hereingabe von links nur um Zentimeter zu spät heran (54.), Aigner trat den Ball aus rund zehn Metern in den nächtlichen Favoritner Himmel (58.).
Chancen, die die immer sicherer werdenden Kärntner kaum beeindruckten. Kollmann und Co. gingen weiter bissig zu Werke und schockten etwas mehr als 6.200 Zuseher mit dem einzigen Treffer des Abends: Austria-Schlussmann Safar, eben erst mit einem neuen Zweijahresvertrag ausgestattet, verschätzte sich bei einer Wolf-Flanke, Junuzovic kam per Kopf an den Ball, und Kollmann drückte den Aufsetzer zum 1:0 über die Linie (62.).
Verzweifelt und sichtlich deprimiert versuchte die Zellhofer-Elf das Ruder in der letzten halben Stunde noch herumzureißen, fand aber kaum taugliche Mittel. Ideenlos rannte man auch unter "Wir haben die Schnauze voll"-Rufen der Fans gegen die massierte Kärntner Defensive an und erarbeitete sich dennoch zwei weitere Großchancen: Schranz parierte in der 82. Minute nur knapp vor Acimovic, kurz vor dem Schlusspfiff war es erneut der Ex-GAK-Goalie, der bei einem Kopfball von Okotie aus nur wenigen Metern mit einer Glanztat den Sieg rettete (90.).
Innsbrucker neue Tabellenletzte
Die Klagenfurter übergaben mit ihrem Sieg die Rote Laterne an Wacker Innsbruck, das vor eigenem Publikum gegen Altach nicht über ein 1:1 hinauskam und somit der neue Tabellenletzte ist. Nach zuletzt vier Niederlagen in Folge punktete Wacker immerhin erstmals wieder, ist aber gegen Altach seit bereits sieben Spielen ohne Sieg.
Die im Abstiegskampf mit dem Rücken zur Wand stehenden Innsbrucker begannen ambitioniert. Bereits nach fünf Minuten klatschte ein von Mattias Lindström abgefälschter Vaclav-Kolousek-Freistoß an die Latte. Wacker versuchte weiter, Druck zu erzeugen. Die Tiroler scheiterten aber in den entscheidenden Momenten am eigenen Unvermögen oder hatten einfach Pech.
Aus einer der ersten Offensivaktionen überhaupt erzielten die Gäste den ersten Treffer der Partie. Manfred Pammingers Eckball segelte in der 17. Minute ins lange Eck, Altach-Regisseur Roland Kirchler feierte sich demonstrativ als Torschütze. Die Vorarlberger wirkten im weiteren Verlauf der ersten Hälfte abgeklärter, in der 40. Minute erzielte Pablo Chinchilla nach einem weiteren Pamminger-Eckball per Kopf fast das zweite Tor.
Erst in Minute 57 wurden die Gastgeber für ihre Offensivbemühungen belohnt. Andreas Hölzl stand bei einer Lindström-Flanke richtig und setzte einen Kopfball-Heber zum Ausgleich ins Tor. Wacker versuchte weiterhin zu drücken, erspielte aber zunächst keine Chancen. In der 69. Minute forderten die Tiroler nach einem Foul von Karsten Hutwelker an Marcel Schreter an der Strafraumgrenze Elfmeter, der Schweizer Schiedsrichter Guido Wildhaber gab aber zu Recht nur Freistoß.
Zum Schluss hatte Wacker noch einmal ordentlich Pech. Kolousek setzte in der 85. Minute einen Freistoß aus 18 Metern ans Lattenkreuz. Drei Minuten zuvor hatte Dennis Mimm die Führung am Fuß gehabt, wenige Augenblicke vor Schluss (90.) scheiterte Lindström mit einer Direktabnahme von der Strafraumgrenze.
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