16.01.2008 15:42 |

Glücksspiel-Boom

Steirer spielen aus Hass-Liebe zum Geld

Die Umsätze der Sportwetten-Anbieter steigen und steigen. Schuld ist die Hass-Liebe zum Geld. Das hat der Grazer Soziologe Christian Stiplosek jetzt erforscht. Außerdem wollen Spieler beim Wetten oder am Automaten Spannungen abbauen.

Die Glücksspiel- und Sportwettenbranche boomt: Auch in der Steiermark steigt die Zahl der Wettlokale monatlich und die Zahl an Automaten nimmt entsprechend zu. Allein in Graz gibt es mehr als 50 Wettlokale. Steiermarkweit sind derzeit 4.700 Spielautomaten offiziell zugelassen.

"Marktanalysefirmen sprechen von einer Verdoppelung der Einsätze österreichischer Spieler in den vergangenen vier Jahren. Auch die Suchtberatungsstellen verzeichnen Anstiege in Beratung und Therapie in Sachen Glücksspiel", sagt Christian Stiplosek vom Institut für Soziologie der Uni Graz. Er hat in seiner Studie" Die Jagd nach dem Glück? Der Glücksspiel- und Sportwettenboom aus soziologischer Perspektive" analysiert, warum so viele Menschen ihr Geld verwetten.

Spielen als Ventil
Die Mehrzahl der Spieler macht sich keine Illusionen über die Gewinnchancen. Vielmehr wollen sie Spannungen entladen. Die Spielenden zeigen sich bereits zufrieden, wenn sich ihr Einsatz einigermaßen amortisiert.

Ziel der Spieler ist nicht der Gewinn selbst, sondern ein Ausleben des "Verbotenen": Im Glücksspiel kann ausgelebt werden, was im Alltags- und vor allem im Arbeitsleben untersagt ist, lautet die zentrale These Stiploseks. Aus dieser Sicht ist das Glücksspiel bzw. die Sportwette also nichts anderes als eine so genannte Ventilsitte, ein Ritual, das Unterdrückten dazu dient "Dampf abzulassen".

Wohlstand unterstützt Spielsucht
Die massenhafte Zuwendung zum Glücksspiel ist Ausdruck einer sich im Umbruch befindenden Wohlstandsgesellschaft: Die gesellschaftlichen Veränderungen führen zu einem Gefühl der Ausweglosigkeit und Ohnmacht in den weniger privilegierten Schichten, aber auch in den Mittelschichten.

"Auf der einen Seite wird Geld als Indikator für den gesellschaftlichen Erfolg begehrt, geliebt und angestrebt. Auf der anderen Seite wird es aufgrund relativer Deprivation und aufgrund eben seiner uneingeschränkten und übergeordneten Bedeutung gehasst und verachtet", so der Soziologe, der die Grundlage für den Glücksspiel-Boom in einer, im flexiblen Kapitalismus verstärkt auftretenden, intensiven Hass-Liebe der Menschen zum Geld sieht.

Glücksspiel als Wahlkampfthema

Auch politisch sorgt das Thema in der Steiermark seit geraumer Zeit für Diskussionsstoff. Die KPÖ hat 11.000 Unterschriften gesammelt, um diese Art von Glücksspiel einzudämmen und forciert dieses Thema auch im Grazer Wahlkampf.
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