15.09.2007 20:04 |

ÖFB-Debakel

Das sagen die Vereins- Trainer zum Nationalteam

Nach den schwachen Leistungen gegen Japan und Chile grübeln auch die meisten Trainer der T-Mobile-Bundesliga-Clubs über den Zustand der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft knapp 270 Tage vor der Heim-EM 2008. „Unverständlich, wie man sich so kurz vor der EM so präsentieren kann. Ohne Biss, Leidenschaft und Wille“, meint etwa Helmut Kraft vom Vizemeister SV Ried.

Für Kraft fehlt im Team von Josef Hickersberger „die ordnende Hand in der Mannschaft“. „Wir haben keine Führungsspieler, die die Zügel in die Hand nehmen und den Weg vorgeben.“ Auf die Frage, ob es denn einen Österreicher dieser Sorte gibt, meinte Kraft mit Blick auf den von Hickersberger nicht berücksichtigten Herwig Drechsel: „Ich hätte einen in meiner Mannschaft, aber den will der Teamchef ja nicht.“ Für Kraft ist es nicht fünf vor zwölf, sondern „halb eins“.

Für Sturm-Cheftrainer Franco Foda ist die öffentliche Diskussion rund um die Aktivierung von Altstars wie Vastic oder Kühbauer berechtigt. „Ich will mich nicht in die Arbeit einmischen, aber für mich ist klar, dass immer die Besten spielen sollten. Wenn Vastic top drauf ist, muss man überlegen, ihn einzusetzen. Das gilt auch für einen Haas oder einen Kühbauer. Es sollen immer die Besten spielen, egal ob sie 18, 30 oder 35 sind.“ Der Deutsche glaubt, dass sich das Team wie gegen Tschechien „gegen schwierigere Gegner steigern kann“. Das werde man auch eventuell am 16.11. gegen England zu sehen bekommen.

Auch Mattersburg-Coach Franz Lederer „lebt und leidet mit“. Für Lederer ist vor allem die Verunsicherung im ÖFB-Team augenscheinlich. „Die Unsicherheit ist so groß, dass ein schlechter Pass reicht und schon funktionieren die einfachsten Sachen nicht mehr.“ Der Burgenländer nimmt nicht den Teamchef („Es gibt keine anderen Spieler, wir haben keinen Henry oder Ballack“), sondern die Kicker in die Pflicht. „Momentan läuft alles ein bisschen gegen uns. Aber da müssen sich die Spieler am eigenen Schopf rausziehen und Gras fressen. Am besten schon gegen die Schweiz.“

Altach-Betreuer Manfred Bender beobachtet das Geschehen ganz genau. Bender stellt vor allem ÖFB-Boss Friedrich Stickler in Frage. „Meines Erachtens fehlt es ganz schwer in der Verbandsführung. Die Fehler wurden schon viel früher gemacht. Dass man EM-Veranstalter ist, weiß man nicht erst seit vier Wochen. Hickersberger muss das Ganze nur ausbaden. Den Charakter des ÖFB-Bosses hat man nach dem Chile-Match gesehen, als er sich ohne ein Interview zu geben klammheimlich aus dem Stadion geschlichen hat. So etwas würde es in Deutschland niemals geben.“ Ansonsten seien Vergleiche zwischen Österreich und Deutschland jedoch keinesfalls zulässig. „Den Unterschied zwischen Österreich und Deutschland sehe ich jeden Tag beim Training und jede Woche beim Spiel.“

Lars Söndergaard von Wacker Innsbruck gab die „katastrophale Kulisse“ beim Chile-Match zu denken. Zudem seien Spieler der Marke Stranzl oder Pogatetz nicht zu ersetzen. Für die EURO sieht der Däne dennoch nicht schwarz. „Mit 45.000 Fans im Rücken werden das ganz andere Spiele. Uns muss klar sein: Österreich wird nicht das Spiel machen, das können sie nicht. Sie müssen kompakt stehen und auf Konter und Standardsituationen warten.“

Georg Zellhofer von Tabellenführer Austria will sich an den öffentlichen Kritiken und Analysen nicht beteiligen. „Es gibt eh schon so viele Analytiker. Das ist unfair. Und wenn irgendwelche Leute pauschal sagen, es fehle die Aggressivität und Bissigkeit, dann geht das an der Sache weit vorbei. Bei einer konstruktiven Kritik bin ich aber gerne dabei.“ Und der Oberösterreicher sieht auch die Vereinstrainer, also auch sich selbst, in der Pflicht.

„Es braucht sich keiner reinzuwaschen. Wir Vereinstrainer hängen in dieser Misere genauso drinnen. Wichtig ist einzig und allein, dass die Sache wieder funktioniert.“ Sein Rapid-Gegenüber Peter Pacult gab sich ebenfalls eher wortkarg und meinte nur: „Wenn sich manche Spieler beschweren, dass es keine Persönlichkeiten im Team gibt, dann müssen sie eben selbst zu einer werden.“

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