09.09.2007 19:26 |

Trauer beim ÖFB

"Cordoba"-Teamchef Senekowitsch ist tot

Im Alter von 73 Jahren ist in der Nacht von Samstag auf Sonntag Helmut Senekowitsch verstorben. Der ehemalige ÖFB-Teamspieler und -Teamchef erlag gegen 1:30 Uhr in Klosterneuburg einer langen, schweren Krankheit. Als Aktiver bestritt Senekowitsch 18 Länderspiele (fünf Tore) und betreute das ÖFB-Nationalteam von 1976 bis 1978.

Der gebürtige Grazer nahm als Spieler auch an der WM-Endrunde 1958 in Schweden teil, berühmt wurde er jedoch vor allem in seiner Teamchef Ära von 1. März 1976 bis 30. Juni 1978. In dieser Zeit betreute das ÖFB-Team 26 Mal, seine Bilanz war mit 14 Siegen, 4 Remis und 8 Niederlagen (40:26 Tore) klar positiv. Das Highlight seiner Ära war gleichzeitig ein Höhepunkt der heimischen Sportgeschichte. Nach der erfolgreichen WM-Qualifikation begeisterte das ÖFB-Team bei der Endrunde 1978 in Argentinien und holte am Ende Rang sieben.

Sie gegen Deutschland bei WM in Cordoba
Herausragend war dabei natürlich das 3:2 in Cordoba über den "großen Bruder" Deutschland in der zweiten Turnierphase, bei dem Hans Krankl mit seinem Doppelpack zur Legende wurde. Mit von der Partie waren damals u.a. auch Herbert Prohaska, Bruno Pezzey, Walter Schachner sowie der nunmehrige Teamchef Josef Hickersberger, der sich tief betroffen zeigte: "Weil Helmut Senekowitsch nicht nur ein besonderer Trainer, sondern auch ein besonderer Mensch und Freund für mich war. Ich habe ihm sehr viel zu verdanken."

Als Zeichen der Trauer der österreichischen Fußballfamilie wird das Länderspiel am Dienstag zwischen Österreich und Chile mit einer Trauerminute beginnen und die rot-weiß-rote Mannschaft mit Trauerflor antreten. Auch die zweite Partie beim "Turnier der Kontinente" am Dienstag zwischen der Schweiz und Japan in Klagenfurt wird mit einer Trauerminute beginnen.

Als Trainer war Senekowitsch ein Weltenbummler
Schweden war für den "waschechten Steirerbuam" (Eigendefinition) ebenso "unvergesslich" wie Argentinien und fast sein ganzes Leben mit dem Fußball. Der Sport führte ihn durch die halbe Welt. Mehr als Trainer denn als Spieler. Die zweite Karriere begann er auf der GAK-Bank (als Letzten übernommen und dann Vize-Meister), von dort ging es zu VÖEST Linz (Meister 1974), Admira Wacker und dann zum ÖFB (zuerst Olympia-, dann A-Team). Als Teamchef trat er in die Fußstapfen von Leopold Stastny.

Nach der 78er-WM in Argentinien machte er Station in Mexiko (Guadalajara), Spanien (Bilbao), Griechenland (Panathinaikos, Olympiakos), Deutschland (Frankfurt) und gab ein kurzes Intermezzo in der Heimat (GAK). Doch bald war "Zeki" wieder vom Fernweh gepackt, machte noch eine Runde, die ihn abermals nach Griechenland (AEK/Cupsieger 1984), Mexiko (Guadalajara), Spanien (Cadiz), neuerlich Hellas (Panionios) sowie schließlich Zypern (Omonia/Cupsieg 1990) führte.

Hickersberger: "Ich bin tief betroffen"
In einer ersten Reaktion sagte ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger: "Ich bin tief betroffen. Er hat mich 1976 überredet, weiter fürs Nationalteam zu spielen. Nur dadurch durfte ich die erfolgreiche WM-Qualifikation und dann die Endrunde 1978 in Argentinien miterleben. Ich hatte bis zum Ende Kontakt zu ihm."

Bundeskanzler und Sportminister Alfred Gusenbauer: "Helmut Senekowitsch hat als Trainer für Österreich Sportgeschichte geschrieben. Unter seiner Führung qualifizierte sich Österreich 1978 für die WM in Argentinien. In unser aller Erinnerung ist der Sieg Österreichs gegen Deutschland, der das Land in kollektive Freude versetzt und Stolz gemacht hat. Er hat bewiesen, dass auch ein Land, das sich zuweilen als Fußballzwerg begreift, seine Stunde der Größe haben kann. Als eine der Säulen des österreichischen Fußballs hat er die Menschen in seinen Bann gezogen. Durch seinen Tod verliert das Land einen der Großen in seiner Sportgeschichte."

"Bereits zu Lebzeiten eine Legende"
"Helmut Senekowitsch war bereits zu Lebezeiten eine Legende im österreichischen Fußball. Er hat unser Nationalteam zu einer seiner wichtigsten Siege geführt und ihm eine Zukunftshoffnung gegeben, auf die noch heutige Trainer aufbauen können", sagte Sportstaatssekretär Reinhold Lopatka. "Durch seinen Tod hat Österreichs Sport einen seiner bedeutendsten Vertreter verloren", so Lopatka weiter.

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