Mi, 18. Juli 2018

Disco-Amoklauf

31.07.2017 06:47

Konstanz: Wie kam der Iraker zur "Kriegswaffe"?

Schock und Trauer nach der Schießerei in der Diskothek Grey im baden-württembergischen Konstanz. In der Nacht auf Sonntag hatte ein aus dem Irak stammender Kurde mit einem M16-Sturmgewehr das Feuer im Eingangsbereich des Lokals eröffnet. Der Türsteher wurde tödlich getroffen. Mittlerweile ist bekannt, dass es sich bei dem kurze Zeit später von der Polizei getöteten Täter um den Schwager des Disco-Betreibers handelte und er unter anderem wegen Körperverletzung und Drogendelikten vorbestraft war. Auslöser der Bluttat könnte ein Streit gewesen sein. Wie der Iraker zu dem Sturmgewehr kam, dessen Besitz in Deutschland illegal ist, ist unklar.

War es ein Familienstreit, der den Iraker zur Bluttat trieb? Die Ermittler versuchen derzeit, den Tathergang zu rekonstruieren. Zeugenaussagen zufolge soll sich der 34-Jährige mit mehreren Personen gestritten haben, bevor er wegfuhr und mit seinem Sturmgewehr zurückkehrte. Der Türsteher hielt den wütenden Angreifer vom Club ab, rettete so Dutzende Gäste. Seinen Mut bezahlte er mit seinem Leben: Der Angreifer schoss ihm in den Kopf.

Johannes-Georg Roth von der Staatsanwaltschaft Konstanz sagte am Sonntagabend, es gebe keinerlei Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Vielmehr sei "ein Streit auf unsagbare Weise eskaliert". Nach einem Schusswechsel mit der Polizei starb auch der Angreifer im Krankenhaus an seinen Verletzungen. Drei Menschen wurden nach Angaben der Polizei schwer, sieben weitere leicht verletzt. Partygäste flohen in Panik aus dem Club. Roth: "Was in den Sekunden vor dem Schuss passiert ist, kann ich nicht sagen."

Der Täter war bei den Behörden kein Unbekannter: Vorstrafen wegen Körperverletzung und Drogendelikten. Seit 2011 sei er allerdings "nicht signifikant auffällig geworden", hieß es. Wie er zu dem Sturmgewehr kam, dessen Besitz in Deutschland illegal ist, wissen die Ermittler nicht. "Es ist eine absolute Kriegswaffe, die man nicht legal besitzen kann."

Das M16 ist das Standardgewehr der US-Streitkräfte. Die Reichweite ist enorm, auf mehrere Hundert Meter können geübte Schützen zielgenau treffen. Im Dauerfeuermodus können theoretisch 800 Schuss pro Minute abgefeuert werden. Laut Polizei schoss der Täter in Konstanz ein Magazin mit 15 bis 20 Patronen leer. Ein Polizeibeamter wurde am Kopf getroffen, sein Titanhelm rettete dem Mann das Leben.

Gäste drücken Beileid aus, Vorwürfe gegen Betreiber
Auf der Facebook-Seite der Disco drückten sowohl die Betreiber als auch zahlreiche Stammgäste ihr Beileid aus. "R.I.P. Ramazan (Vorname des Türstehers; Anm.)wollte nur helfen, so ungerecht", schrieb etwa Paulina S. "Viel Kraft für die Familie", kommentierte Jenny Z., und Mika E. schlug vor, einen Spendenfond für die Hinterbliebenen einzurichten: "Viele von uns Älteren kannten Ramazan noch von früher, als wir keine Angst haben mussten, von irgendwem abgeschossen zu werden."

Aber auch Vorwürfe gegen die Betreiber werden laut. Um die Sicherheit sei es im Grey nicht gut bestellt gewesen, meinen einige. Die Disco war erst im Mai nach Renovierungsarbeiten und einem Besitzerwechsel neu eröffnet worden. Der Ruf des Lokals war allerdings bereits davor nicht gut, wegen zu hoher Preise und immer wiederkehrenden Handgreiflichkeiten unter den Gästen bzw. mit dem Personal. Der "Südkurier", der über die Neueröffnung berichtet hatte, zitierte damals Geschäftsführer Christian Sieve, der auch andere Großraumdiscos in Süddeutschland betreibt, mit den Worten: "Wir wissen um den schlechten Ruf."

Michaela Braune
Michaela Braune

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