Mo, 17. Dezember 2018

Expertin zu Erdogan:

09.03.2017 18:38

"Zusammenleben in Europa steht auf der Kippe"

Angesichts der politischen Turbulenzen in der Türkei und des provokanten Auftretens von Präsident Recep Tayyip Erdogan und seiner Minister gegenüber Deutschland und Österreich hat die "Krone" am Donnerstag Karin Kneissl in den Newsroom geladen. Die Nahostexpertin analysiert im Gespräch mit Gerhard Koller die Lage in der Türkei und das Verhalten Erdogans. Den Status der derzeitigen Beziehungen zur EU bringt Kneissl folgendermaßen auf den Punkt: "In Europa steht unser gesellschaftliches Zusammenleben auf der Kippe!"

Erst am Montag hatte Grünen-Sicherheitssprecher Peter Pilz mit der Nachricht aufhorchen lassen, dass in der Türkei mindestens fünf Österreicher verhaftet wurden, weil sie in Österreich Erdogan kritisiert hatten. Pilz sprach dabei unter anderem von "Stasi-Methoden", die Erdogan anwende. Zuvor hatte es Aufregung in Deutschland gegeben, weil in mehreren Städten Wahlkampfauftritte türkischer Minister untersagt worden waren.

Expertin Kneissl attestiert gegenüber der "Krone": "Erdogan hat sich total verrannt. Es geht nur noch um Emotionen, vielleicht sieht er auch sein politisches Überleben in Gefahr." Laut Kneissl gibt es in der Türkei eine Vielzahl von Problemen politischer und wirtschaftlicher Natur. Zudem werde das Land durch Kriege und Konflikte in Nachbarstaaten destabilisiert.

"Gesellschaftliches Zusammenleben steht auf der Kippe"
In der Beziehung zu den EU-Staaten, vor allem zu Deutschland und Österreich, gehe "nichts mehr weiter", vielmehr herrsche "eine Pattsituation", wie man auch am Stillstand der EU-Beitrittsverhandlungen erkennen könne. Vor allem die Verstimmungen mit Deutschland seien brisant, weil Erdogan dort enorm viele Auslandstürken als Anhänger hinter sich habe. Kneissl rät Deutschland, das nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, schließlich stehe "das gesellschaftliche Zusammenleben auf der Kippe".

Karin Kneissl war bereits mehrfach im "Krone"-Newsroom zu Gast und hat etwa Ende August 2016 über die Auswirkungen der Flüchtlingswelle auf Österreich gesprochen. Bereits zuvor - im Dezember 2015 - hatte sie gegenüber der "Krone" ebenfalls zum Thema Flüchtlingskrise festgestellt, dass Österreich "in einer brenzligen Situation" sei.

Georg Horner
Georg Horner

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