"Krone" exklusiv

Rettung für Albaniens gequälte Restaurant-Bären

Tierecke
03.09.2016 17:00

Sie müssen für Selfies herhalten und Bier trinken - trauriger Alltag vieler Bären in Albanien. Die "Krone" begleitete die "Vier Pfoten" zu einer ganz besonderen Rettungsmission.

Zerquan, ein Dorf mitten in Albanien, umgeben von grünen Hügeln, fast idyllisch. Die Sonne scheint, kaum ein Tourist verirrt sich in diese Gegend. Und nur wenige Menschen ahnen, welches Tierleid sich hier gleich neben der Straße verbirgt. Um die 50 Braunbären befinden sich in Albanien in privaten - und unqualifizierten - Händen. Viele von ihnen wurden schon als Jungtiere aus der Natur entrissen und fristen ihr Dasein als "Unterhalter" an Ketten oder in Mini-Käfigen neben Restaurants.

"Gjina" wird mit rund 20 Bieren täglich gefügig gemacht - sie soll endlich ein besseres Leben führen (Bild: dez)
"Gjina" wird mit rund 20 Bieren täglich gefügig gemacht - sie soll endlich ein besseres Leben führen

20 Bier pro Tag für "Gjina"
"Gjina" ist eines dieser Tiere. Die Besitzerin des Restaurants "Tre cezmet" hat sie vor drei Jahren um kleines Geld gekauft und in einen winzigen Gitterverschlag neben ihrem Lokal gepfercht, der keinen Schutz vor Sonne, Wind oder Regen bietet. Keine Beschäftigung, schon gar keine Artgenossen. Bärengerechte Fütterung? Fehlanzeige! Stattdessen bekommt Gjina um die 20 Bier am Tag zu trinken - weil sie dann ruhiger wird, oder einfach nur "lustig".

Bier-Bär "Tomi" wird in einem engen Betonkäfig neben den Toiletten eines Restaurants gehalten. (Bild: Vier Pfoten)
Bier-Bär "Tomi" wird in einem engen Betonkäfig neben den Toiletten eines Restaurants gehalten.

"Vier Pfoten" nahmen "Krone" mit zum Rettungseinsatz
Fest entschlossen, dieses unfassbare Leid zumindest für ein paar der Bären zu beenden, sind die "Vier Pfoten" mit einem internationalen Team nach Albanien gereist - die "Krone" durfte diese wichtige Mission exklusiv begleiten. Schnell stellt sich heraus: Das Leid der Tiere kann man in ihren Augen sehen - auch in "Tomis", der neben einem Lokal im Ort Ulza gehalten wird.

Das "Vier Pfoten"-Team kann den Bären mit behördlicher Unterstützung mitnehmen. (Bild: dez)
Das "Vier Pfoten"-Team kann den Bären mit behördlicher Unterstützung mitnehmen.

Bär "Tomi" aus verdrecktem Verließ befreit
Der ungefähr fünfjährige Braunbär muss dort als zweifelhafte Attraktion dienen und hat längst stereotypes Verhalten entwickelt - er läuft in einer Tour auf und ab, immer und immer wieder. Eltern stellen ihre Kleinkinder vor den verdreckten Käfig und schießen Fotos von ihnen. Tomi bettelt um Futter, steckt immer wieder die Pranken durch die Gitterstäbe. In Anwesenheit der Polizei und Beamten des Landwirtschaftsministeriums kann sich der uneinsichtige Besitzer nicht gegen die Abnahme wehren- und es ist allerhöchste Zeit!

"Tomi" muss für Fotos posieren - sein Leben ist vollkommen trostlos. (Bild: dez)
"Tomi" muss für Fotos posieren - sein Leben ist vollkommen trostlos.

Zoo als Übergangslösung - zur Sicherheit!
Wir entdecken alte Narben an Tomis Hals, die von Selbstverletzungen stammen. Auch seine Zähne sind von dem verzweifelten Knabbern an den Gitterstäben kaputt. Doch zunächst führt die Reise des Bären in den Zoo nach Tirana, der Hauptstadt Albaniens. Eine Übergangslösung zu Tomis Sicherheit, denn: Nicht selten versuchen die Besitzer, ihre Bären vor der behördlichen Abnahme noch schnell loszuwerden - gegen Geld, oder aber sie bringen die Tiere einfach um.

Der Aufenthalt des Bären im Zoo Tirana ist zu seiner eigenen Sicherheit. (Bild: dez)
Der Aufenthalt des Bären im Zoo Tirana ist zu seiner eigenen Sicherheit.

"Pashuks" Kette tief in den Hals eingewachsen
"Wir hatten eine ähnliche Situation bei einem Einsatz im Kosovo und sind daher diesmal gewarnt", erklärt Carsten Hertwig, Leiter der Bärenprojekte bei den "Vier Pfoten". Gleich neben Tomi soll am nächsten Tag Bär "Pashuk" einquartiert werden. Ihn retten wir aus einem Gitterverschlag neben einem Restaurant in Levan. Sein Zustand rührt selbst die erfahrenen Tierschützer zu Tränen: Pashuk trägt eine Eisenkette um den Hals, die ihm bereits als Jungtier umgelegt wurde - der Bär wurde größer, die Kette war längst ins Fleisch eingewachsen.

Diese Kette musste "Pashuk" aus dem Hals geschnitten werden. (Bild: dez)
Diese Kette musste "Pashuk" aus dem Hals geschnitten werden.

Ein neues Leben im Bärenwald Prishtina
Man kann und will sich nicht vorstellen, welche Schmerzen das Tier über lange Zeit erleiden musste. Die Behandlung seiner Wunden fordert das ganze Team. Doch auch er darf sich jetzt auf ein neues Leben freuen! Nach der medizinischen Erstversorgung und der Kennzeichnung mit einem Mikrochip können die notwendigen Papiere ausgestellt werden, um alle drei Tiere in den von den "Vier Pfoten" geführte Bärenwald Prishtina in den Kosovo zu bringen, wo die leidgeplagten Vierbeiner endlich ein Leben in artgemäßer Haltung führen dürfen.

Die Bären erleiden jedes Mal, wenn ihr Besitzer an der Kette zieht, schlimme Schmerzen. (Bild: Vier Pfoten)
Die Bären erleiden jedes Mal, wenn ihr Besitzer an der Kette zieht, schlimme Schmerzen.

"Es braucht eine Gesetzesänderung"
Dass die albanischen Behörden überhaupt kooperieren, ist dem internationalen und medialen Druck zu verdanken. "Jede Unterschrift zählt, jeder Euro hilft", so Tierarzt Frank Göritz. Denn mit dieser einen Mission ist es noch lange nicht getan. "Was es braucht, ist eine Gesetzesänderung, damit Bären in Albanien unter diesen Umständen nicht mehr gehalten werden können."

Das komplette Online-Tagebuch aller drei Einsatztage in Albanien finden Sie unten in der Infobox!

So können Sie die Bären unterstützen
Es leben geschätzte 50 weitere Bären unter schrecklichen Umständen in Privathaltung in Albanien. Unterschreiben Sie jetzt die Petition www.savethesaddestbears.com   und helfen Sie mit, die albanische Regierung vom Schutz der geschundenen Bären zu überzeugen!

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