Fr, 17. August 2018

Vollgas retro

17.04.2016 20:00

Yamaha XSR900: Die bessere MT-09?

Es war kein Geringerer als MotoGP-Ikone Valentino Rossi, der die Yamaha XSR900 am Vorabend der EICMA 2015 auf die Bühne gefahren hat. Das macht sie natürlich gleich noch ein Stück cooler, als sie eh schon ist - vor allem in der schwarz-gelben 60th-Anniversary-Edition. Und der dottore passt perfekt, denn die XSR900 schlägt eine Brücke zwischen heutigen Bikes und denen aus der Zeit, als der neunfache Weltmeister noch richtig jung war.

Früher war zwar nicht alles besser (schon gar nicht Motorräder), aber man blickt halt gern in romantischer Verklärtheit zurück. Als wir noch alle mit schwarz-schmierigen Händen und zerschlissener blauer Werkstatt-Latzhose im Schweiße unseres Angesichts unser einzigartiges Motorrad umgebaut haben. Okay, die meisten von uns haben nicht - macht aber nix.

"Faster Sons" heißt Yamahas Retro-Riege
Umso mehr freuen wir uns, wenn wir jetzt schrauben dürfen. Der Trend geht zum modernen Motorrad in Retro-Optik und eingeplanten Customizing-Möglichkeiten. Die Anbauteile kommen aus dem Regal des Herstellers, was den Vorteil hat, dass es mit der Zulassung kein Problem gibt. Genau in Richtung dieses Trends gibt die Yamaha XSR900 (die große Schwester der XSR700) Vollgas - und schaut schon ohne weitere Umbauten bildschön aus.

Fahren statt schrauben ist voll okay
In Wahrheit ist sie ja bereits umfassend umgebaut, schließlich handelt es sich technisch gesehen um eine Yamaha MT-09. Motor, Fahrwerk & Co sind im Wesentlichen identisch (ein kleiner Unterschied folgt weiter unten). Die Optik und damit den Charakter haben die Japaner hingegen komplett geändert. Der Tank ist schlank und Old School, wie es sich gehört, ein Rundinstrument macht auf den ersten Blick auf retro, ist aber komplett digital und ausgesprochen informativ, auch der Auspuffstummel wurde adaptiert. Herrliche Details faszinieren das Auge, vom weiß abgesteppten Sattel mit der XSR900-Prägung bis hin zu gelochten Aluhalterungen, etwa am klassischen Rundscheinwerfer. Diese Alubleche würden sich wahrscheinlich auch in der Küche gut machen - als Spaghetti-Dosierer.

Keine Augenweide, aber wohl nicht zu verhindern, ist der fette Kühler; am anderen Ende polarisiert das runde LED-Rücklicht, das obenauf thront.

Man sitzt ein Stück weiter hinten und 1,5 Zentimeter höher als auf der MT-09, der Kniewinkel geht auch bei meinen 1,88 m in Ordnung, lediglich die Kante des Tanks drückt ein wenig in die Oberschenkel. Das muss man schlichtweg für sich ausprobieren.

Der 847 cm³ große Dreizylinder-Motor bietet 87,5 Nm bei 8500/min. sowie 115 PS und macht die Fahrt auf der 900er zu einem spritzigen Vergnügen. Serienmäßig an Bord sind ABS, Traktionskontrolle (drei Stufen + off) und Anti-Hopping-Kupplung.

Die Gasannahme wurde im Vergleich zur MT-09 entschärft, ist aber immer noch härter als notwendig. Wer es wirklich geschmeidig will, der fährt im B-Modus, muss dann aber auf ein paar PS verzichten. Der Standard-Modus (das ist die mittlere Stufe) ist hart, aber erträglich, während der A-Modus nichts für Grobmotoriker ist. Positiv fällt das im Vergleich zur MT-09 etwas verbindlichere (wenn auch bisweilen etwas harsche) Fahrverhalten auf, das von härteren Federn vorne und hinten herrührt.

Auch wenn die Tankabdeckung größer geworden ist - mehr als 14 Liter laufen auch in die XSR900 nicht hinein. Bei gut fünf Liter Verbrauch darf man also öfter mal den leicht seitlich versetzt angebrachten Tankdeckel öffnen (und nebenbei den edlen XSR-Schriftzug betrachten).

Nicht der Weisheit letzter Schluss ist das Getriebe der Testmaschine, immer wieder sträubt sich der erste Gang dagegen eingelegt zu werden. Da braucht es kräftigen Nachdruck. Und wie man auf die Idee kommen kann, das Schloss für den aufklappbaren Sitz im Schutzblech anzubringen, möchte ich gerne wissen.

Die Bedienung gibt natürlich keine Rätsel auf. Die beiden Tasten für den Bordcomputer sind klassisch am Tacho untergebracht, was ich zwar generell unpraktisch finde, was aber klare Retropflicht ist. Der Hup-Knopf liegt zu nah am Blinker, auch wenn er etwas seitlich platziert ist. Sehr praktisch ist die Kombination aus Killschalter und Startknopf - nie wieder auf den Startknopf drücken und es rührt sich nichts, weil der rote Schalter auf off steht.

Unterm Strich
Ob man schrauben will oder nicht: Die Yamaha XSR900 ist ein Bike für Geschmackssichere und für Retro-Fans sicher die bessere MT-09. Bei aller Retro-Optik kann man ihr in Sachen Technik nichts nachsagen. Federbasis und Zugstufendämpfung sind vorne wie hinten einstellbar, der Motor ist brillant (wenn auch nicht der bestklingende Dreizylinder ever), das Gewicht mit 195 kg vollgetankt nicht übertrieben. Der Aufpreis ist allerdings happig: Mit 11.499 Euro kostet die XSR 900 1300 Euro mehr als die Schwester. Die schwarz-gelbe Lackierung lässt sich Yamaha mit weiteren 500 Euro vergüten. Trotzdem würde ich drauf bestehen - nicht nur, weil Valentino Rossi genau so eine zu Hause hat…

Warum?

  • Moderner Klassiker mit blitzsauberer Technik

Warum nicht?

  • Selbtbewusster Aufpreis

Oder vielleicht …

… BMW R ninety, Moto Guzzi V7 II

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