15.01.2016 17:00 |

Tabuthema

Blasenschwäche mit 35?

Harninkontinenz und Senkungen der Gebärmutter kommen bereits bei jungen Frauen vor - es gibt aber Hilfe!

"Ich kann nicht mehr auf Trampolinen springen, denn ich bepinkle mich sonst", erzählte Oscarpreisträgerin Kate Winslet kürzlich in einer britischen Talkshow. "Wenn man ein paar Kinder geboren hat, passiert das einfach." Die mutige 40-Jährige spricht damit ein Leiden an, das andere Mütter öffentlich nie eingestehen würden: Blasenschwäche nach ihren drei Schwangerschaften.

Bei Beschwerden dem Facharzt anvertrauen!
Doch mit einem hat die Schauspielerin Unrecht: Man muss solche gynäkologischen Beschwerden nicht einfach hinnehmen, es gibt Möglichkeiten, dagegen vorzugehen! "Senkungsprobleme oder Inkontinenz sind nach wie vor Tabuthemen. Jede Frau denkt, sie wäre allein mit den Beschwerden, glaubt, das gehört nach der Schwangerschaft dazu. Das ist aber nicht wahr!", betont Prim. Dr. Zoltan Nemeth, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie am Krankenhaus Barmherzige Brüder in Wien. "Wer bemerkt, dass etwa der Tampon nicht mehr richtig passt oder wer unfreiwillig Harn verliert, sollte sich deshalb unbedingt rasch einem Facharzt anvertrauen! Denn 70 Prozent der Betroffenen können mit physikalischen Methoden geheilt werden und brauchen keine Operation."

Weitere Hinweise für eine Gebärmuttersenkung: Luft entweicht unkontrolliert aus der Scheide, ein ziehendes, drückendes oder Fremdkörpergefühl tritt im Unterbauch auf. Die Seele leidet und auch das Liebesleben. Wird nicht gezielt behandelt, verschlimmert sich das Problem nur: Es kommt zu Scheidenwandvorwölbungen, mitunter so massiv, dass der Scheideneingang verlegt ist oder gar Gewebe sowie die Gebärmutter selbst nach außen dringen.

Risikofaktor Nummer eins ist die Geburt
Der größte Risikofaktor ist es, auf natürlichem Weg ein Kind auf die Welt zu bringen, vor allem, wenn dabei Verletzungen, etwa mit der Geburtszange, passieren. "Der Beckenboden wird massiv überdehnt, bei zehn bis 15 Prozent der Frauen kann sich dieser Muskelschaden nicht regenerieren, weil eventuell erbliche Anlagen vorliegen oder keine Rückbildungsgymnastik durchgeführt wurde. Auch die Schwangerschaft selbst trägt zur Belastung deutlich bei", erläutert Prim. Dr. Nemeth. "Deshalb rate ich nach einer Geburt zu Beckenbodentraining. Wichtig ist aber, dieses korrekt zu machen - am besten unter physiotherapeutischer Anleitung! Mitunter verschlimmern sich die Beschwerden nämlich, wenn die Übungen falsch ausgeführt werden."

Um zu prüfen, ob der Beckenboden stark ist, einfach einen Finger in die Scheide einführen und die Muskeln willentlich zusammenziehen. Wer keinen Druck spürt, sollte dringend einen Spezialisten aufsuchen! Nicht geeignet hingegen ist die landläufige Empfehlung, den Urinstrahl während des WC-Gangs zu stoppen, um den Beckenboden zu erspüren.

OP ist letzte Option
Prim. Nemeth: "Bevor operiert wird, sollten Patientinnen alle anderen Möglichkeiten nutzen. Vielen Frauen hilft die Selbsttherapie mit einem Würfelpessar. Es kommt dadurch zu einer raschen Entlastung des Gewebes. Gleichzeitig sollte man die Beckenbodengymnastik fortsetzen. Diese wird dadurch viel effektiver."

Ebenso gibt es bei Inkontinenz Hilfe durch Training, physikalische Therapie oder vaginale Elektrostimulation. Erst wenn sich nach drei bis vier Monaten täglicher Behandlung kein Erfolg zeigt, sollte man mit dem Experten über einen Eingriff reden.

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