Mi, 23. Jänner 2019

Neues Album

01.09.2015 10:18

Fettes Brot: Die Uhren ticken heute anders

"Endlich wieder Spaß, eure Lieblingsstars": Selbstbewusst sind sie, die Brote aus Hamburg. Auf Album Nummer acht stellen sich Dokter Renz, König Böris und Björn Beton alias Fettes Brot als "Teenager vom Mars" vor und geben sich keine Blöße. Doppeldeutige Texte, eine gehörige Portion Funk und viel Abwechslung bietet die Platte, für die man "das Eisen in relativ kurzer Zeit geschmiedet" habe.

"Wir haben dieses klassische Jahr Nichtstun gestrichen und direkt weiter gemacht", sagt Dokter Renz (Martin Vandreier) über die Zeit nach dem Vorgänger "3 is ne Party" (2013). "Wir wollten damit erreichen, den Fluss der letzten Platte und die damit ins Rollen gekommene Maschinerie gar nicht mehr zum Erliegen zu bringen." Wobei man recht frei ans Werk gegangen sei, wie sein Kollege König Boris (Boris Lauterbach) im APA-Gespräch ergänzt: "Wir wollten einfach mal machen und haben uns daher gesagt: Scheiß drauf! Kein roter Faden, kein Konzept, gar nichts. Dieser Gedanke hat mich sehr befreit."

Lässig-zeitloser Pop
Nun ist das Endergebnis zwar eine wilde Mischung, dabei aber keineswegs beliebig oder für die sich gerne dem Pop zuwendende deutsche Rap-Formation aus dem Rahmen fallend. "Diese Genre-Überlegungen haben wir schon vor längerer Zeit abgelegt. Uns da groß Gedanken zu machen, führt einfach zu nichts. Die Leute sehen das so, wie sie das wollen", erläutert König Boris. "Wir waren immer schon Leute, die die Grenzen ein bisschen ignoriert oder übertreten haben. Und letztlich haben wir das Gefühl, dass wir dadurch im Laufe der Zeit unser eigenes Genre geworden sind. Wie Dokter Renz in 'K.L.A.R.O.' sagt: Super-lässig zeitloser Pop."

Und dieser wird breit gefächert serviert: Vom knalligen Titelsong über den reduzierten Funk in "Mein Haus" und das soulige, ganz einem traditionellen Hip-Hop-Anspruch verpflichtete "Du bist the Shit" bis zum melodiösen Porträt "Emmely" über jene Berliner Supermarkt-Kassierin, die wegen zwei Pfandmarken im Gesamtwert von 1,30 Euro gekündigt wurde und dagegen vor Gericht durch alle Instanzen ging. "Wir sind seit jeher Fans von starken Frauenfiguren", bemerkt dazu König Boris. Nur sollte man sich nicht unbedingt einen Party-Knaller im Stile von "Emanuela" oder "Bettina, zieh dir bitte etwas an" erwarten. An derart plakativen Wiederholungen sind Fettes Brot keineswegs interessiert.

Wider dem Szene-Purismus
"Man darf sich auch nicht verkrampfen und muss nicht mit jedem Lied das Rad neu erfinden", erklärt Dokter Renz. "Aber natürlich war das immer der Antrieb: Mal kucken, was noch so geht. Wir sind Fans davon, die eigenen Darlings zu killen. Wenn etwas zu vertraut daherkommt, dann gibt es eine Kontrollinstanz. Nichts gegen erste Ideen, aber vielleicht kriegen wir das noch geiler hin." Durch diesen offenen Ansatz hat sich die Gruppe, die Mitte der 1990er mit Songs wie "Nordisch by Nature" oder "Jein" durchstartete, von Anfang an mit Szene-Puristen angelegt.

"Variety is the spice of life, hab ich immer gedacht", grinst König Boris. "Aber ja, da gab es schon einiges auszufechten mit der Hip-Hop-Szene, als alles noch viel strenger war. Da haben wir uns viel Unmut aufgehalst und viel Kopfschütteln geerntet." Mittlerweile sei aber sowohl bei Künstlern wie Hörern eine Veränderung bemerkbar. Hip Hop habe sich geöffnet, andere Genres beeinflusst und sich gleichzeitig etabliert. "Je länger alle merken, dass das nicht mehr weggeht, desto entspannter werden auch die Protagonisten", ist sich König Boris sicher. "Speziell im deutschen Hip Hop herrscht derzeit eine Vielfältigkeit, die gut tut."

Teenager for life
Apropos Vielfältigkeit: Die spiegelt sich letztlich auch im Albumtitel wider. "Da gibt es zwei Aspekte", so König Böris. "Einerseits das platt Humoristische, weil wir für Teenager natürlich zu alt sind. Aber auf dem Mars ticken die Uhren anders. Und dann der Perspektivenwechsel, dieser Blick von außen auf uns, auf die Welt, auf das Geschehen. Dieses Motiv des Außenseiters zieht sich sowieso wie ein roter Faden durch unser Schaffen - aus Gründen, die vielleicht ein Psychologe irgendwann mal klären kann", lacht der Rapper. Aus dem Lied wurde zum ersten Mal in der Karriere der Gruppe auch der Plattentitel. "Und gemeinsam mit dem Artwork ergibt das jetzt ein stimmiges Bild - ohne dass wir das als Konzept vorgesehen hätten", meint Dokter Renz.

In gewohnter Manier gehen Fettes Brot auch aktuellen politischen Themen nicht aus dem Weg. "Das ist ein natürlicher Prozess. So funktioniert unsere Musik", betont König Boris. "Das, was uns menschlich bewegt, findet auch Niederschlag. Ich kann mich über AfD und Pegida wahnsinnig aufregen. So ist es fast schon ein Privileg, ein Ventil dafür zu haben, wo einem Leute auch noch zuhören. Wir betrachten es schon als unsere Aufgabe, bestimmte Sachen, die uns auffallen und die schief laufen, anzusprechen - auch wenn wir nicht immer eine Lösung parat haben. Und natürlich gibt es Themen, denen man in einem dreiminütigen Popsong nicht gerecht wird. Aber manchmal funktioniert es halt doch."

Dreimal live in Österreich
Funktionieren tun Fettes Brot vor allem an der Livefront. Im Oktober sind die Deutschen gleich dreimal bei uns zu Gast. Am 22. Oktober im Linzer Posthof, tags darauf im Grazer Orpheum und am 24. Oktober im Wiener Gasometer. Tickets für die Konzerte erhalten Sie unter 01/960 96 999 oder im "Krone"-Ticketshop.

Kommentare

Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
„Papa, ich habe Angst“
Sala: Dramatische Nachricht aus Absturz-Flieger
Fußball International
Familie verzweifelt
Urne samt Hunde-Asche auf Postweg verschollen
Niederösterreich
Einrichtungstipps
So leben Sie praktisch und platzsparend
Haushalt & Garten
Kein Deal mit Maurides
Brasilo-Stürmer nicht fit! Rapid braucht Plan B
Fußball National
Ethnische Daten
Rekrutierungs-Affäre: 100.000 Euro Strafe für PSG
Fußball International
87-Jährige als Opfer
Entführungs-Krimi in der Esterhazy-Dynastie
Burgenland
Seit Mai ohne Tor
Mario Balotelli wechselt von Nizza zu Marseille
Fußball International
Muskelverletzung
Tottenham wochenlang ohne Dele Alli
Fußball International
Der „Prinz“ ist da
Boateng: „Ich wäre auch nach Barcelona gelaufen“
Fußball International
Flugzeug verschwunden
Guardiola zu Sala-Tragödie: „Wir hoffen noch!“
Fußball International
Kommt aus Finnland
Austria holt 19-jährigen Stürmer Sterling Yateke
Fußball National

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.