¿Big Brother¿

135.000 Euro mit Fußfesseln erspart

Sextäter, Bankräuber, etc. - sieben schwere Burschen aus Garsten und Wels sitzen nicht mehr hinter Gittern, sondern werden auf freiem Fuß im Job nur noch von „Big Brother“ per Handy und Fußfesseln überwacht. So erspart sich Vater Staat zwei Drittel der Haftkosten - 135.000 € pro Jahr in Oberösterreichs Gefängnissen.

Österreichs Justizanstalten sind überfüllt: Die Anzahl der Strafgefangenen ist seit vier Jahren von 4476 auf 6073 gestiegen. „Und jeder kostet pro Tag 80 Euro“, rechnet Hofrat Norbert Minkendorfer vor, dessen Kloster Garsten mit 420 Häfenbrüdern übergeht: 30 davon sollen noch heuer mit Freigängen und Fußfesseln die Platznot lindern. 15 davon sind draußen ungefährlich, die andere Hälfte ist ein Sicherheitsrisiko - und wird deshalb per Electronic Monitoring überwacht.

Dies beantragte auch der Ebenseer Promi-Häftling Alfred Steiner (43), der nun die Hälfte seiner neun Jahre verbüßt hat, der seit einem halben Jahr den ganzen Tag frei jobbt und nur zum Schlafen in die Zelle kommt. Der jedoch keine Fußfessel bekommt, weil bei seinen Straftaten kein Rückfall mehr möglich ist.

Hingegen wurde ein Bankräuber auf Freigang sofort eines Linzer Überfalls verdächtigt, verwies aber die Fahnder auf sein elektronisch gespeichertes Alibi. Deshalb ist jeder Testpilot darauf bedacht, die Funkverbindung stets intakt zu halten: Einer meldete sofort sein nasses, abgesoffenes Handy, ein anderer sein Fernbleiben vom Arbeitsplatz, damit sein Bewährungshelfer nicht gleich Alarm schlägt.

Der bisher problemlose Modellversuch sieht vor, noch heuer 15 oberösterreichischen Strafgefangenen die Fußfesseln anzulegen. Doch die Richter sind noch vorsichtig: Sie fürchten das Restrisiko des neuen Mittelwegs zwischen Einsperren und Freilassen.

 

 

Foto: Klemens Groh

Mittwoch, 12. Mai 2021
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