Do, 16. August 2018

HCB-Skandal

12.12.2014 08:27

Kärntner besorgt: "Ich habe Angst um meine Kinder"

"Ich habe Angst um meine Kinder!" Zum Start der ärztlichen Beratungen in den Gemeindeämtern im Kärntner Görtschitztal werden die Sorgen der Bewohner deutlich. Viele fürchten um ihre Gesundheit und ihre berufliche Existenz. Dennoch versuchen die Mediziner des Landes zu beruhigen: "Es besteht keine akute Gefahr."

Drei Ärzte und Mitarbeiter des Kriseninterventionsdienstes vom Roten Kreuz kümmerten sich Donnerstag im Gemeindeamt von Klein St. Paul um die Besucher - unter ihnen vor allem Mütter und Landwirte, die das Angebot des Landes zur Beratung in Anspruch nahmen. Die Gespräche sind auch eine Vorstufe zu den Bluttests, die ab nächster Woche durchgeführt werden sollen. "Diese Tests sind aber nur für Landwirte vorgesehen, da sie zur exponierten Gruppe zählen. Eine akute Gefahr ist nicht gegeben", versucht Elisabeth Oberleitner, die Leiterin der Landessanitätsdirektion, zu beruhigen.

Die Stimmung ist dennoch angespannt. "Ich konsumiere kein Trinkwasser, bis alles geklärt ist, und lasse meine Kinder nicht ins Freie", sagt Michaela Lamereiner, zweifache Mutter. "Man kauft einheimische Produkte und denkt, man tut seinem Kind damit etwas Gutes. Plötzlich wird einem gesagt, dass es angeblich schlecht war", meint auch Denise B. (29), Mama einer 18 Monate alten Tochter. "Und das Schlimmste ist die Ungewissheit. Keiner sagt, was wirklich los ist."

"Soll ich meine Apfelbäume niederschlägern?"
Auch ein Pensionist (72), der bei den Wietersdorfer Werken gearbeitet hat, kommt vorbei. "Soll ich jetzt vielleicht meine Apfelbäume niederschlägern, weil sie verseucht sind?", fragt der Mann. Eine klare Antwort darauf weiß niemand. Selbst Bürgermeister Hilmar Loitsch, der an diesem Tag knapp 100 Bürger im Amt begrüßt, scheint ratlos: "Es müssen noch mehr Informationen ans Tageslicht. Erst dann wird es sich wieder beruhigen."

Landwirt Josef Ratheiser (51) fürchtet um seine berufliche Existenz. "Als Bauer bin ich massiv betroffen", sagt der Landwirt, der sich für den Bluttest angemeldet hat. "Ich will es abklären lassen, für mich, aber auch für meine Frau und meinen Sohn."

Grenzüberschreitungen schon im März entdeckt
Die Aufarbeitung des HCB-Skandals bringt auch immer mehr Schlampereien der Behörden ans Tageslicht. So hatte die AGES, die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit, bereits Ende März in mehreren Lebensmittelproben aus dem Görtschitztal Überschreitungen der Grenzwerte für Hexachlorbenzol festgestellt. Öffentlich wurden diese Zahlen aber nicht, nach Bekanntwerden der HCB-Verseuchung vor einem Monat hieß es lediglich, im Frühjahr seien "geringste Spuren" festgestellt worden.

Eine Bröseltopfenprobe vom 27. März wies eine Grenzwertüberschreitung mit 0,079 Milligramm HCB je Kilo auf. Nur unter Einbeziehung der Messunsicherheit werde der Rückstandsgehalt noch eingehalten, hieß es damals. "Die AGES hätte bereits im März die Notfall-Pläne aktivieren müssen", kritisiert Wolfgang Pirklhuber, Sprecher für Lebensmittelsicherheit der Grünen. Er sieht das Gesundheits- und Landwirtschaftsministerium mit in der Verantwortung.

"Dieser Vertuschungsversuch ist inakzeptabel"
Auch Greenpeace will die Rolle der AGES im HCB-Skandal untersuchen lassen. "Dieser Vertuschungsversuch ist inakzeptabel", fordert Greenpeace-Chef Alexander Egit die Gesundheitsministerin auf, Untersuchungen einzuleiten. Die AGES rechtfertigt sich, dass man die zuständigen Behörden informiert habe. Um selbst Warnungen an die Öffentlichkeit zu geben, dafür fehle es an einer gesetzlichen Grundlage, heißt es. Greenpeace hat unterdessen eine Unterschriftenaktion "zur Vermeidung weiterer Gift-Skandale" gestartet.

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