Österreichs Grundwasser erreicht historische Tiefststände. Über 90 Prozent der Messstellen liegen bereits im niedrigsten Bereich. Wasser-Experte Mag. Nikolaus Sauer warnt vor den Folgen des Klimawandels, fordert die Politik zum raschen Handeln auf – und richtet einen deutlichen Appell an
Wasserwirtschaftsminister Totschnig.
Die Lage beim heimischen Grundwasser spitzt sich zu. Laut Mag. Sauer liegen über 90 Prozent der Messstellen im niedrigsten Bereich. Gleichzeitig könnten sogar 100-jährige Tiefstände unterschritten werden. Für die Wasserversorger ist das besonders problematisch: Neue Brunnen, Quellen, Speicher oder Transportleitungen benötigen eine Vorlaufzeit von fünf bis teilweise 15 Jahren.
„Die Politik reagiert erst, wenn wirklich was passiert ist. Und solange es nicht wirklich ganz dramatisch ist, passiert relativ wenig.“

Mag. Nikolaus Sauer, Vizepräsident ÖVGW
Bild: ÖVGW, Slovencik
Genau diese dramatische Situation sei nun eingetreten. Mag. Sauer verweist auf extrem niedrige Grundwasserstände und teilweise bereits auf Versorgungsausfälle. Seine Botschaft ist klar: Die Politik müsse jetzt handeln.
Wettlauf gegen den Klimawandel
Besonders eindringlich beschreibt er den Zeitdruck. Noch sei es nicht zu spät. Österreich müsse bei der Sicherung der Wasserversorgung jedoch schneller handeln als die Folgen des Klimawandels voranschreiten.
„Es ist noch nicht fünf nach zwölf, es ist eigentlich zwölf. Der Klimawandel kommt mit Riesenschritten. Wir müssen 5 Meter vor dem Klimawandel sein.“

Mag. Nikolaus Sauer, Vizepräsident ÖVGW
Bild: ÖVGW, Slovencik
Dafür seien deutlich höhere Investitionen nötig – etwa in überregionale Ausgleichsleitungen, neue Quellen und Brunnen sowie zusätzliche Speicher. Sauer fordert zudem eine Modernisierung des Wasserrechts und ein Wasserentnahmeregister, das transparent macht, wer wie viel Grundwasser nutzt.
Trinkwasser muss an erster Stelle stehen
Wenn Wasser knapper wird, soll die Versorgung der Bevölkerung Vorrang haben. Er fordert deshalb eine rechtliche Besserstellung der Trinkwasserversorgung gegenüber anderen Nutzungsarten. Landwirtschaft, Wirtschaft und Industrie greifen ebenfalls auf Grundwasser zurück – für den Experten muss der Gemeinnutz jedoch an erster Stelle stehen.
Jetzt ist die Politik gefordert
Neben langfristigen Investitionen sieht Sauer unmittelbaren politischen Handlungsbedarf. Ein Wasserentnahmeregister soll für mehr Transparenz sorgen. Gleichzeitig brauche es überregionale Ausgleichsleitungen, um Wasser von wasserreicheren in wasserärmere Regionen bringen zu können. Da solche Infrastrukturprojekte fünf, zehn oder sogar 15 Jahre benötigen können, sei die Dringlichkeit entsprechend hoch.
Deutlicher Appell an Minister Totschnig
Von Wasserwirtschaftsminister Norbert Totschnig erwartet Sauer konkrete Schritte. Die bereits ausgearbeitete und dem Ministerium übergebene Wasserrechtsnovelle müsse rasch umgesetzt werden. Zudem fordert er eine offene Diskussion, die die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt.
Die Warnung zum Schluss fällt deutlich aus: Sollten auf die derzeitigen Tiefststände noch mehrere trockene Jahre folgen, stellt Sauer sogar infrage, wie gesichert die Wasserversorgung für die Bevölkerung dann noch sein wird.