Berührendes Werk

Steirerin verarbeitet Suizid ihres Sohnes in Buch

Steiermark
21.06.2026 11:00

Niki Ramminger verarbeitet den Suizid ihres Sohnes mit einem berührenden Buch über Trauer und Hoffnung.

„Als ich meinen Sohn verlor, suchte ich nach einem roten Faden, der mich zurück ins Leben führt.“ Worte einer Mutter, die das Schlimmste erlebt hat, was Eltern widerfahren kann. Ihr Sohn hat sich das Leben genommen. Felix war erst 16 Jahre alt. Für Nici Ramminger beginnt dieser Zuversichtsweg in das Leben danach bei den kleinen, alltäglichen Dingen. „Es geht mir darum, die eigene Kraft zu bewahren und für sich zu sorgen. Wie ich mich ernähre, genügend schlafe und in meiner Energie bleibe.“

Eine wichtige Stütze seien Menschen, professionelle Hilfe und Begegnungen in ihrem Umfeld gewesen. Die quälende Frage nach dem „Warum“ lässt die leidenschaftliche Tänzerin und Yoga-Lehrerin aus St. Ruprecht/Raab nicht zum Lebensmittelpunkt werden. Stattdessen richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf das, was noch da ist. „Ich habe mein Herz offen gelassen für diese Verbundenheit und das ist auch der Schlüssel wieder ins Leben zu finden.“

„Sind alle viel stärker miteinander verbunden“
Der Glaube spielt für die 49-Jährige eine wichtige Rolle. „Ich glaube nicht an Gott als Person, aber an ein Netz aus Energie und Liebe.“ Für sie ist jeder Mensch Teil eines größeren Ganzen. Freundlichkeit, Mitgefühl und Wertschätzung würden Kreise ziehen und zu einem zurückkehren. Dieser Gedanke schenkt Halt und Zuversicht. „Ich glaube fest daran, dass wir viel stärker miteinander verbunden sind, als uns oft bewusst ist – auch über den Tod hinaus.“ Es gibt mehr zwischen Himmel und Erde. „Die Vorstellung, dass Felix von Frieden und Geborgenheit umgeben ist, hilft mir sehr.“

In ihrem Buch „Über.S.Leben“ beschreibt sie offen, wie sich ihre Sicht auf das Leben verändert hat. „Ich habe vor nichts mehr Angst, denn ich habe den Tod meines Sohnes überlebt und das schenkt mir eine unerschütterliche Leichtigkeit.“ Durch die gemeinsame Trauer sei eine besondere Form der Achtsamkeit in der Beziehung zum Partner und zur Umwelt entstanden.

„Wenn ich zeichne, höre ich seine Stimme“
Zu den festen Begleitern ihres Alltags zählen Gedanken an den verstorbenen Sohn, aber auch Gespräche mit Felix, die Kraft schenken, wenn die Sehnsucht besonders groß wird. Eine besondere Rolle spielen die Zeichnungen im Buch. „Wenn ich zeichne, höre ich seine Stimme. Wir sind uns sehr nah.“ So lebt ihre Erinnerung an Felix weiter, ohne dass das Hier und Jetzt in den Hintergrund rückt. Vielmehr hat sie gelernt, beides miteinander zu verbinden: die Liebe zu dem Sohn, der gegangen ist und die Liebe zum älteren Sohn, der geblieben ist.

Aus einem inneren Dialog aus ehrlichen Gedanken, Gefühlen und Erfahrungen ist ein Buch entstanden, das Mut machen soll. Aber auch präventiv aufklärt, wenn Depression und dunkle Gefühle jungen Menschen zur Last werden. Es ist kein Rezeptbuch gegen Schmerz, sondern ehrliche Empfindungen einer Mutter, die gelernt hat, trotz eines unermesslichen Verlustes wieder nach vorne zu blicken.

Die Buchpräsentation findet am 26. Juni in Eggersdorf statt – genau am zweiten Todestag von Felix. „Der zweite „Himmelsgeburtstag meines Sohnes.“

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