Eine Mure ging vor Jahren bei Haidershofen (NÖ) auf die Eisenbahngleise ab. Jetzt verlangen die ÖBB ganze 120.000 Euro Schadensersatz! Eine hohe Summe für eine kleine Gemeinde in sparsamen Zeiten ...
Wer neben der Enns lebt, ist Hochwasser gewöhnt. Schwierig werden große Wassermassen, wenn sie einen Hang hinunterfließen, unter dem auch noch eine Bahnstrecke verläuft. Wie die „Krone“ von einem Gemeinderat aus Haidershofen bei Amstetten erfuhr, ging oberhalb der Regionalbahnstrecke Linz-Garsten im Jahr 2021 nach Starkregen eine Mure ab. Ein Streit zwischen der Gemeinde und den ÖBB entbrannte, der jetzt ab August am Landesgericht St. Pölten geklärt wird: Darf die Bahn ganze 120.000 Euro an Schadensersatz verrechnen?
Die ÖBB gehen davon aus, dass damals deutlich mehr Wasser als sonst in Richtung der Gleise floss, weil kurz zuvor ein Güterweg oberhalb des Hangs asphaltiert wurde. „Die Felder gehören dort einem Bauern, der diese täglich mehrmals befahren muss“, heißt es von Ortsansässigen. Durch den neuen Weg konnte der Landwirt fortan besser zufahren. Aber das Regenwasser versickerte durch die versiegelte Fläche schlechter als zuvor und floss in größeren Mengen entlang einer Schlucht hinab.
Gleise nie mit Erde bedeckt
Weil auch noch keine Bäume neu verwurzelt waren, dürfte die Mure stärker als gewohnt gewesen sein. „Aber die Gleise waren nie mit Erdmassen bedeckt“, betont ein weiterer Anrainer. Dennoch stellte die ÖBB der Gemeinde 120.000 Euro in Rechnung.
Das Thema liegt derzeit bei Gericht. Wenn wir als Gemeinde verantwortlich sind für einen Schaden, sind wir natürlich bereit, dafür einzustehen.

Bürgermeister Michael Strasser
Bild: Gemeinde Haidershofen
Im Gemeinderat wird gemunkelt, dass der eigentliche Schaden laut Gutachten weitaus weniger betrug. ÖVP-Ortschef Michael Strasser möchte sich dazu erst nach der Gerichtsverhandlung äußern. „Sobald es stark regnet, fahren wir seither sofort zu der gefährdeten Stelle“, sagt er. Auch das Jahrhunderthochwasser 2024 hätte man gut überstanden.
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