05.09.2014 17:00 |

"Geht um Lesbarkeit"

Zurück an den Start: Binnen-I vor dem Aus

Walburg Ernst ist alles, nur keine Feministin, sagt sie selbst. Sie steht aber hundertprozentig hinter der Förderung von Frauen. Mit einem großen "I" sei keiner davon geholfen - dabei bleibt sie, und dafür wurde sie auch mit ihrem Normierungskomitee in die Wüste geschickt. Das Binnen-I damit ebenso: Denn das stieß bereits 2007 offiziell auf Ablehnung, so ist es festgeschrieben.

Dass ein senkrechter Strich derart das Land entzweien kann, ist schier unglaublich - dem "I" ist es aber gelungen. SchülerInnen, LehrerInnen, RichterInnen: Männlein und Weiblein "müssen" vereinheitlicht werden. Ernst, Ex-Vorsitzende des mittlerweile aufgelösten "Komitees 045", kostet das ein Kopfschütteln:

"Uns ist es nicht darum gegangen, geschlechtergerechte Sprache abzuschaffen. Es geht um lesbare Texte, vor allem um Lesekompetenz unserer Schüler. Außerdem wird bei dieser Debatte auch auf blinde Menschen vergessen - sie können dieses I weder lesen noch aussprechen." In der Sprachbibel schlechthin - dem Duden - ist der überdimensionale Selbstlaut mitten im Wort gar nicht erst zu finden.

Heimischen Frauengruppierungen scheint das nicht erst seit dem Streit über den Text der Bundeshymne (Söhne und Töchter - oder eben nur Söhne), egal zu sein: "Wer Frauen nicht nennt, ignoriert sie." Auf die Warnungen von Sprachexperten pfeifen sie.

Binnen-I bereits 2007 ins Abseits gestellt
Ernst lehnt sich erst einmal zurück und beobachtet die Debatte, die längst nicht vom Tisch ist, aus der zweiten Reihe. "Jetzt gibt es zwar kein Normenkomitee 045 mehr, aber ebenso wenig das Binnen-I", lacht sie. Denn dieses wurde bereits 2007 ins Abseits gestellt. Verankert ist das in der ÖNORM A 1080, Ausgabe: 2007-03-01 Richtlinien für Textgestaltung.

Zum Binnen-I ist dort zu lesen: Eine solche Schreibweise ist durch keine Rechtschreibregelung gedeckt, ist schwer lesbar und kann Missverständnisse beim Lesen hervorrufen. Das Binnen-I ist daher zu vermeiden.

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