Tennis-Preisgeldstreit

Wenn sie nicht mitspielt? „Interessiert niemanden“

Tennis
27.05.2026 10:11
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Österreich Tennis-Trainer-Guru Günter Bresnik ist bekannt dafür, dass er mitunter gegen den Strom schwimmt. Er sagt, was er denkt. Und so verwundert es auch nicht, dass der aktuelle Coach von Julia Grabher und Lukas Neumayer mit den Forderungen der Stars nach mehr Preisgeld so nicht ganz einverstanden ist. „Das Turnier, die Sportart ist der Star. Ich bin fast eher auf Veranstalterseite“, sagte der 65-jährige Niederösterreicher in Paris.

Die Sportlerinnen und Sportler verlangen, dass die Gewinnbeteiligung bei den French Open von derzeit weniger als 15 Prozent auf 22 angehoben werden soll und haben mit einem Boykott zumindest geflirtet. Die Stars argumentieren, dass ohne sie derartige Gewinne nicht möglich wären oder das Turnier nicht stattfinden würde. „Es ist genauso berechtigt, als Turnierveranstalter zu sagen: Wenn wir das alles hier nicht hätten, könntet ihr nicht spielen.“

Günter Bresnik
Günter Bresnik(Bild: GEPA)

Zudem hätten andere Spieler in den vergangenen Jahrzehnten den Sport großgemacht. „Sabalenka und Co. profitieren von den letzten 20, 30 Jahren, wo der Sport auf ein ganz anderes Niveau gehoben worden ist“, sagte Bresnik und spricht von Rekordzuschauerzahlen bei den vier Major-Turnieren. „Diese vier Grand-Slam-Turniere bringen dem Sport eine Popularität, die ihresgleichen sucht.“

Auch mit der Argumentation, dass nur die Top 100 bis maximal 150 von dem Sport leben können, ist für Bresnik nicht unbedingt nachvollziehbar. „Wie viele wollt ihr denn haben? 300, 500? Bei den Damen, wenn eine Sabalenka boykottiert: Wenn sie nicht mitspielt, das interessiert niemanden“, sagte Bresnik. Auch als seinerzeit ein Björn Borg, John McEnroe usw. aufgehört haben, hätten alle geglaubt, der Sport würde nicht mehr existieren, erinnert sich der einstige Langzeittrainer von Dominic Thiem, der auch mit anderen Größen wie Boris Becker zusammengearbeitet hat.

Niveau vor 15 Jahren besser?
Aus seiner Sicht hat das Männertennis das Niveau seit dem Ende der Äras von Roger Federer und Rafael Nadal nicht halten können. „Das Niveau des heutigen Tennis im Vergleich zu vor 15 Jahren, würde ich sagen, ist schlechter. Bei den Männern auf jeden Fall. Alle Trainer, die länger im Geschäft sind, stimmen da zu.“ Zwar würden Sinner und Alcaraz super Tennis spielen, aber selbst Djokovic könne noch mithalten. „Er schlägt mit bald 40 den vermeintlich Unbesiegbaren. Das hätte es früher nicht gegeben.“ Die Dichte zwischen 200 und weit darüber hinaus sei hingegen heutzutage besser.

Die „Big Three“ plus ein Andy Murray haben aus seiner Sicht an der Spitze aber eine höhere Qualität gezeigt. Dass das Männertennis zudem wegen der Verletzung von Carlos Alcaraz zur One-Man-Show gerät, hält auch Bresnik für nicht gut.

Über Grabher erfreut, von Tagger angetan
Julia Grabher ist nach ihrer Handgelenksverletzung von Platz 54 weit zurückgeworfen worden, hat sich im Vorjahr aber wieder zurückgekämpft. „Es war die Frage, ob sie jemals wieder zurückkommt. Sensationell, wie sie letztes Jahr wieder in die ersten 100 gekommen ist.“ Nach ihrem Erstrundensieg in Paris habe er der Vorarlbergerin gesagt, dass er „das erste Mal richtig Freude gehabt“ habe, ihr beim Tennis zuzuschauen.

Lilli Tagger
Lilli Tagger(Bild: AFP/JULIEN DE ROSA)

Bresnik verfolgt natürlich auch die Karriere von Lilli Tagger genau und hat auch jüngste Veränderungen bei ihrer Vorhandtechnik mitbekommen. „Dass auch ich bei einer 18-Jährigen in technische Veränderungen rigoroser eingreifen würde als bei einer 25- oder 30-Jährigen, ist auch klar.“ Doch die Entwicklung der Osttirolerin freut den Tennis-Fanatiker. „Ihr Aufstieg war .. besser geht es nicht: letztes Jahr Juniorensiegerin, heuer hier im Hauptbewerb ohne Wildcard oder Qualifikation. Ich sage immer, sie wird garantiert erste 20. Ob sie dann etwas Großes gewinnt oder ein Grand-Slam-Semifinale spielen wird, das ist noch nicht garantiert.“

Bresnik mag auch die Gesamterscheinung Tagger. „Sie ist präsent am Platz, sie lacht, sie ist freundlich und das ist bei ihr nicht aufgesetzt, sondern echt natürlich und sie spielt ein richtig schönes Tennis. Serviert gut, ist mutig. Mit 18 Jahren so weit sein – da gibt es nur eine Handvoll.“

Auch bei Potapova sieht er freilich die Chance, dass auch sie die Top 20 schon bald knackt. „Sie hat spielerisch die Möglichkeiten, vielleicht geht es weiter.“

Männer hinken hinterher
Im Vergleich zu den Frauen hinken Österreichs Männer aktuell einmal hinterher. Bei Sebastian Ofner gehe es nur um das Gesundheitliche, denn die Voraussetzungen stimmen. „Das ist ein Büffel von einem Sportler.“ Filip Misolic plagt sich mit einer langwierigen Ruptur der Plantarfaszie herum. „Er hat die gleiche Verletzung wie einst Andreas Haider-Maurer und Mira Antonitsch gehabt haben.“

Sebastian Ofner
Sebastian Ofner(Bild: GEPA)

Sein eigener Schützling Lukas Neumayer hat sich aus Bresniks Sicht gut entwickelt, dies werde aktuell nicht im Ranking widergespiegelt. Und ein Jurij Rodionov habe im ersten Satz gegen Arthur Rinderknech gezeigt, dass er sich stabilisiert hat.

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